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HAMBURG

Teil 2

Am anderen Morgen taten sie uns vom vielen Treppensteigen in Blankenese und dem Bummel über die Reeperbahn immer noch etwas weh. Trotzdem machten wir uns gleich nach dem Frühstück erneut auf. Dieses Mal fuhren wir jedoch mit der S-Bahn. An den Landungsbrücken stiegen wir aus und gingen zum Hafen hinunter.
Die Pontons der St. Pauli Landungsbrücken schwimmen. Sie steigen und sinken mit der Oberfläche des Flusses. Die Elbe ist ein Tidengewässer. Das Wasser läuft 5 Stunden auf und 7 ab. Auf der Pontonbrücke kann man in eine Fähre steigen und zu Hamburgs Stadtteilen Finkenwerder oder Blankenese fahren. Oder man gibt dem Werben eines Ausflugsdampfers nach und macht eine Hafenrundfahrt. Da wir nicht soviel Zeit hatten (am Nachmittag ging es wieder zurück nach Oerlinghausen) verzichteten wir darauf. Ein weiterer Grund noch einmal nach Hamburg zu kommen.
Der Hafen liegt am Rand von St. Pauli und ist das Tor zur Welt. Er ist nach Rotterdam der Zweitgrößte in Europa und gehört zu den
9 größten Containerhäfen der Erde. Mit seinen 60 Hafenbecken macht er ein Zehntel des Hamburger Stadtgebiets aus.
Auf der Elbe nehmen die Schiffe Kurs auf Asien, Afrika, Südamerika oder Skandinavien. Aus 60 Nationen laufen pro Jahr etwa
20.000 Schiffe den Hafen an.
DIe Landungsbrücken im Hamburg
Das Feuerschiff im Hamburger Hafen
Hamburger Hafen
Hamburger Hafen mit Heckraddampfer "Louisiana Stad"
Das, was St. Pauli heute ist, nämlich Hamburgs bekanntestes Stadtviertel, daran haben die Seeleute aus aller Welt einen großen Anteil. Hier gingen sie an Land um sich zu vergnügen. Dort, wo man die Pontons sieht, haben 1816 die ersten unter englischer Flagge fahrenden Dampfschiffe fest gemacht. Noch vor 100 Jahren ragte an diesem Ort ein Wald aus Masten in den Himmel. Das  Museumssegelschiff Rickmer Rickmers, was gerade zu einer Rundfahrt gestartet war, ließ uns erahnen, wie es damals hier ausgesehen haben muss.
Die Docks und Kräne, die wir auf der anderen Seite der Elbe sahen, gehören zum Werftgelände von Bloom & Voss. Dort hatte mein Onkel viele Jahre gearbeitet. Geradeaus sahen wir auf das Trockendock Elbe 17. Unter der Naziherrschaft wurde es 1938 eigens zum Bau von Schlachtschiffen, wie der Bismarck, errichtet. Das Ende vom Lied war: Nach dem 2. Weltkrieg lag die Werft in Trümmern. St . Pauli hatte unter den Bombenangriffen der Alliierten viele Bewohner und etwa ein Drittel seiner Häuser verloren.
Vor allem aber repariert die Werft Schiffe. Im Hinteren Teil der beiden Schwimmdocks im Dock 11, lag 1994 das Passagierschiff Queen Elisabeth II zur Reparatur. Sie wird auch „die Königin der Meere“ genannt.
Als Annika auf das Bürogebäude von Gunnar & Jahr wies, sahen wir auch das Wahrzeichen von Hamburg: die Kirche St. Michaelis. Es ist die jüngste der fünf Hamburger Hauptkirchen. Die Höhe des Michaeliskirchturmes (der eigentliche „Michel“) beträgt 132,14 m. Die Aussichtsplattform in 82,54 m Höhe ist vom Portal 2 über 449 Stufen zu Fuß oder mit dem Fahrstuhl zu erreichen. Vom Turm aus hat man einen weiten Ausblick auf Stadt und Hafen.
Das Wahrzeichen von Hamburg: Der Michel
Eine Besichtigung haben wir dieses Mal nicht vorgenommen. Aber beim nächsten Besuch werden wir sicher auf die Aussichtsplattform fahren und auch das Gruftgewölbe unter dem Kirchenschiff besichtigen. Hier liegen neben vielen anderen Hamburgern auch Carl Philipp Emanuel Bach und Ernst Georg Sonnin, der Erbauer der Kirche, begraben.
Ursprünglich bestand die St.-Michaelis-Kirche aus einer kleinen, zu Beginn des 17. Jh.  errichteten Kapelle. Da sich diese Kapelle schon bald als zu eng erwies, wurde sie mehrfach umgebaut und vergrößert. Später wurde die Kirche durch mehrere Brände und durch Bomben des Zweiten Weltkriegs stark zerstört und musste danach immer wieder aufwändig rekonstruiert werden. Bei dem heutigen Bau handelt es  sich nicht mehr um das Original. Dennoch wurde das Aussehen der Originalkirche aus dem 18. Jahrhundert sehr gut erhalten.
Hamburg : In der Mitte der Kirchtum der St. Michaelis-Kirche
Museumsschiff Rickmer Rickmers
Wir bestaunen die im Hafen liegenden großen Schiffe
Frühstück im Hafen
Wir wendeten uns wieder den vielen Schiffen im Hafen zu und schlenderten ein wenig weiter.
Da es war schon fast Mittag war und wir zum Frühstück nur eine Kleinigkeit gegessen hatten kehrten wir in einem Restaurant ein, wo wir uns etwas stärkten. Dann gingen wir zurück zum Kassenhäuschen auf dem „Große Hafenrundfahrt“ geschrieben stand. Wir überlegten kurz, ob wir eine Hafenrundfahrt in die Speicherstadt machen sollten, entschieden uns dann aber dagegen. Wir gingen durch den Arkadengang in Richtung Straße, denn wir wollten uns den Alten Elbtunnel ansehen.
Im Ostturm des Gebäudes der Landungsbrücken ist eine Uhr und darunter wird der Wasserstand der Elbe angezeigt. Als wir ankamen lag er bei 8 m und als wir ca. 1 Stunde später wieder dort waren, zeigte er nur noch 4 m an.
Ostturm des Gebäudes der Landungsbrücken mit Wasserstandsanzeiger der Elbe
Neben der schmuckvollen Uhr, die in die rechte Wand des Arkadenganges eingelassen ist, erinnert eine Gedenktafel an die Irrfahrt 4500 jüdischer Holokausüberlebender. Sie brachen 1947 auf dem Schiff Exodus von hier aus in das britische Mandatsgebiet Palästina auf, wurden jedoch von den Briten wieder nach Hamburg zurück verfrachtet.
Wir gingen weiter  links am Hafengebäude entlang und auf den Kuppelbau, der Eingangshalle des Alten Elbtunnels, zu.
Geschichte zum Bau des Alten Elbtunnels
Auf dem Weg dorthin schauten wir uns das Empfangsgebäude der Landungsbrücken etwas genauer an. Es wurde 1909 fertig gestellt. Das von zwei Ecktürmen eingefasste und zwei Kuppeln begrünte Gebäude aus Tuffstein steht für die Publitionen des deutschen Kaiserreiches als See- und Kolonialmacht. Die damaligen Ansprüche sind im Gebäude verewigt. Oben auf der Fassade über dem Rundbogen sind Inschriften in den Tuffstein eingelassen: links Nord und rechts Süd. Über Nord blickt ein kauernder bärtiger Mann auf die Menschen herab, rechts über Süd erhebt sich eine sphinxartige Gestalt mit langen Haaren und langen Ohrringen. Es sind Sinnbilder der Völker, die in den jeweiligen Himmelrichtungen leben.
Auf dem Westturm des Schiffsbahnhofs dreht sich ein Radar auf der mit grünem Span bedeckten Kupferkuppel. Damit überwacht das Hafenamt die Schiffsbewegungen auf der Elbe.
Über dem nächsten Haupteingang, der Brücke 5, thronen über dem Rundbogen weitere aus Tuffsstein gehauene Skulpturen. Über dem Eingang Nr. 5 kauert links über dem eingemeißelten Ost eine mysteriöse Gestalt. Rechts über West trägt eine barbusige Frauenfigur mit Bastrock lange Ohrringe, womöglich eine Amazone. Allem Anschein nach hatte Kaiser Wilhelm II. vor die Völker aller Himmelsrichtungen zu unterwerfen. Daraus ist nichts geworden.
Bevor wir weitergingen fielen uns noch die Gebäude auf dem Hügel das „Hotel Hafen Hamburg“ auf. Der Besitzer des maritimsten aller Hamburger Hotels, so erfuhren wir, ist der 90jährige Kiezimpressario Willi Bartels. Nach Ende des 2. Weltkrieges kaufte er ein Grundstück nach dem anderen in St. Pauli auf. Heute ist Willi Bartels einer der größten Immobilienbesitzer Hamburgs. Unter anderem gehört ihm fast die gesamte Große Freiheit und ein Drittel der Reeperbahn. Willi Bartels wird auch „König von St. Pauli“ genannt. Ganz oben im Hotelturm befindet sich die Towerbar. Aus 65 Meter Höhe soll man einen atemberaubenden Blick über den Elbhafen und Hamburg haben. Besonders schön, so sagte man uns, sei der Anblick  bei Nacht.
Links des „Hotels Hafen Hamburg“ befindet sich das Bundesamt für Hydrographie und Seeschifffahrt. Unter anderem vermessen seine Forschungsschiffe die Nord- und Ostsee. Das Gebäude mit dem Türmchen beherbergt den deutschen Wetterdienst.
Ganz links steht das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Als ich vor vielen Jahren eine Asienreise machte, hatte ich beim Institut angefragt, welche vorsorglichen Impfungen empfehlenswert seien.
1910-14 entstand der dreiteilige Klinkerbau mit Laboratoriumstrakt, Krankenhaus und Tierhaus nach Plänen von Fritz Schumacher. Die Hauptfront ist zum Hafen gewandt.
Neben Forschungsabteilungen befindet sich im Gebäude eine Quarantänestation für Menschen mit Tropenkrankheiten oder mit Krankheiten wie Ebolavirus, die sich durch Globalisierung und Ferntourismus heutzutage schnell verbreiten.
Als wir genug gesehen hatten gingen wir weiter. Der Alte Elbtunnel ist ein Bau mit grünem Kuppeldach und Tuffstein am Eingang. 1911 wurde der Alte Elbtunnel für Fußgänger und Autos eröffnet. Damals galt er als technische Sensation. In 23 ½ Metern Tiefe legte man zwei über 400 m lange weißgekachelte und mit Reliefs geschmückte Röhren unter die Elbe. Der Tunnel war nötig geworden, damit die Arbeiter schneller zu den Werften auf der Südseite des Flusses kamen. Die Barkassen schafften den Transport der vielen Menschenmassen nicht mehr.
Er wird heute nicht nur von Leuten die im Hafen arbeiten sondern auch von den Anliegern auf der anderen Seite der Elbe viel genutzt. Und auch von den Menschen aus Wilhelmsburg und Harburg.
Seit dem Bau des neuen Tunnels 1975 ist der 426,5 Meter lange Alte Elbtunnel ein nostalgisches Stück Hamburger Geschichte. Seit 2003 steht er unter Denkmalschutz.
Gekachelte Röhre im Alten Elbtunnel
Links vom Wandmosaik gingen wir durch die geöffnete Schwingtür. Dann durchqueren wir auf der Fußgängerbrücke rasch die Eingangshalle des Alten Elbtunnels. Die vier großen hölzernen Fahrstühle zu unserer Rechten transportieren Autos auf und ab. Wertarbeit aus dem Zeitalter der Industrialisierung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden 7000 Werk- und Hafenarbeiter innerhalb einer halben Stunde unter die Elbe befördert werden. Damals waren 40.000 Menschen im Hafen beschäftigt.
Für Fußgänger ist der Tunnel immer geöffnet, für Autos ist die Durchfahrt Montag bis Freitag von 5.30 bis 20.00 Uhr möglich. Wer mag, kann dann auch mit einem der Körbe hinunterfahren.
Hölzerne Fahrstühle im Alten Elbtunnel
Am Ausgang des Gebäudes kann man gut die Kräne von Bloom & Voss sehen. Dorthin sind die Arbeiter durch den Tunnel zur Arbeit gegangen. Dorthin gehen sie immer noch. Heutzutage arbeiten im Hafen jedoch nur noch 4000 Menschen.
Wir entschlossen uns durch den Alten Elbtunnel zur Werftinsel Steinwerder zu gehen. Dazu fuhren wir mit dem Fahrstuhl hinunter. An den gefließten Wänden der Tunnelröhren sind in regelmäßigem Abstand kleine Majolika-Reliefs eingefügt. Auf ihnen wird thematisch die darüber liegende Elbe dargestellt. Dazu gehören Abbildungen von Muscheln, Krebsen und Fischen, aber auch Ratten.
Von der anderen Seite, der früheren Werftinsel Steinwerder aus, hatten wir einen herrlichen Panoramablick auf den Hafenrand, den Michel und auf das Museumssegelschiff Rickmer Rickmers.
Museumsschiff Rickmer Rickmers
Hölzerne Fahrstühle im Alten Elbtunnel
Blick von Steinwerder auf den Hamburger  Hafen
Blick von Steinwerder auf den Hamburger  Hafen
Uschi und Achim schauen rüber zum Hamburger Hafen
Blick von Steinwerder auf den Hamburger  Hafen
Die Insel Steinwerder liegt am Zusammenfluss der Norderelbe mit dem Köhlbrand. Nach Osten wird sie durch einen kanalisierten Elbarm, den Reiherstieg, begrenzt. Im Süden liegt die Insel Neuhof, deren nördlicher Teil ebenfalls zum Stadtteil Steinwerder gehört. Beide Inseln gehören geographisch zur Elbinsel Wilhelmsburg, deren Nordwestspitze Steinwerder bildet. Steinwerder ist fast vollständig als Freihafen ausgewiesen.
Ansicht auf den Hamburger Hafen mit Michel
Der Stadtteil besteht aus Hafen-, Industrie- und Gewerbeflächen. Wohngebiete gibt es hier nicht.
Als wir wieder durch den Alten Elbtunnel zurückgegangen waren schauten wir uns noch einmal im Hafen um. Dort legte gerade der Heckraddampfer „Louisiana Stad“ an. Er hat eine Länge von 56 m und eine Breite von 11,60 m. 500 Personen haben auf ihm Platz. Gebaut wurde er 1999. Besonders imposant war das rote Schaufelrad.
Schaufel des Heckraddampfers "Louisiana Stad"
Heckraddampfer  "Louisiana Stad"
Achim und Uschi vor dem Heckraddampfer
Wir stiegen wieder in die S-Bahn und fuhren ins Stadtzentrum von Hamburg, wo sich das Rathaus befindet. Es entstand um 1900 herum in einem Stil, der Elemente der Renaissance, des Barocks und des Klassizismus in sich vereint. Das Rathaus hat zahlreiche Dachgauben und Erker und ist sehr aufwändig dekoriert.
Das Hamburger Rathaus
Direkt vor dem Rathaus befindet sich der Rathausmarkt. Er blieb wie das Rathaus im Zweiten Weltkrieg weitgehend von Schäden verschont. Heute wird der Rathausmarkt für viele Veranstaltungen wie Demonstrationen, Kundgebungen aber auch Musikprogramme genutzt.
Blick zum Hamburger Rathaus
Wir gingen an den sehr schön restaurierten Alsterarkaden entlang. Die Alter ist ein beliebtes Ziel für Touristen und Einheimische, dementsprechend voll war es an diesem sonnigen Sonntag.
Man sollte es nicht vermuten, aber eine wunderbare Wasserlandschaft liegt mitten in der Innenstadt von Hamburg. Allein die Außenalster ist über 160 Hektar groß. Sie ist nahezu vollständig von Grünanlagen umgeben, was viele Spaziergänger und Jogger anzieht. Aber auch die Wassersportler kommen auf der Alster nicht zu kurz. Hier kann man rudern, paddeln und auch segeln. Die größte der Parkanlagen an der Außenalster ist der Alsterpark, in dem man dazu noch mehrere kunstvolle Plastiken bewundern kann.
Der Jungfernstieg ist eine der schönsten Promenaden der Stadt. Sie führt entlang am südwestlichen Ufer der Binnenalster. Entstanden ist die Straße bereits im 17. Jahrhundert. Damals diente sie vor allem als Spazierweg.
Die Hamburger Fleeds
Schwäne auf den Hamburger Fleeds
Der Jungernstieg
Wasserfontäne auf der Binnenalster
Wasserfontäne auf der Binnenalster
An diesem Sonntag war dort gerade eine chinesische Woche. Über unseren Köpfen hingen bunte Drachen und rote Lampions. An einem Stand kaufte ich für meine Tochter und meine Schwester einen chinesischen Glücksbringer.
Viele bunte Lampions schmückten die Straße bei der chinesischen Woche
Viele bunte Lampions schmückten die Straße bei der chinesischen Woche
Uschi kauft für ihre Tochter und ihre Schwester Glücksbringer
Bunte Drachen schmückten die Straße
Bunte Drachen schmückten die Straße
Im Alsterpavillon, eines der bekanntesten Cafes von Hamburg, ruhten wir uns ein wenig aus und aßen ein Eis. Dann stiegen wir erneut in die S-Bahn und fuhren zum Stadtpark, wo wir in Schumachers Biergarten ein kleines Mittagessen einnahmen, bevor wir mit der S-Bahn wieder zurück nach Altona fuhren.
Gegen 16 Uhr traten wir die Rückreise an. Während der Fahrt nach Oerlinghausen spürten wir vom langen Fußmarsch unsere Füße nicht mehr. Zwei Tage waren wir treppauf, treppab durch Hamburg gelaufen. Aber es war eine wunderschöne Zeit und wir werden bestimmt wieder einmal nach Hamburg kommen. Vielleicht schon recht bald!

Oerlinghausen, den 15.10.2006