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Achim Kluck

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Uschis Angelberichte und mehr...

HAMBURG

Teil 1

Hamburger Hafen mit Michel

Hört man von Hamburg, so bringt man die Stadt sofort mit der Reeperbahn und der Elbe in Verbindung. Die Ursprünge Hamburg (altsächsisch: 'ham') liegen jedoch nicht an der Elbe sondern an der Alster, einem Nebenfluss der Elbe. An ihrem Ufer, nicht weit von der Mündung der Alster in die Elbe, entstanden im 8. Jahrhundert die ersten Siedlungen. Um 830 wurde hier die Hammaburg errichtet . Im 12. Jahrhundert bekam die Elbe größere Bedeutung. Der Handel im nordeuropäischen Raum entwickelte sich sehr schnell. 1189 erhielt Hamburg von Kaiser Barbarossa das Privileg, Zoll auf der Elbe zu erheben und wurde Freie Reichsstadt.
Im Mittelalter entstand in Nordeuropa ein Städtebund: die Hanse. Hamburg wurde wichtigster Nordseehafen der Hanse. Nach 1550 wurde Hamburg zu einem der bedeutendsten Einfuhrhäfen Europas. Mit der Zunahme der Seeschifffahrt und des Welthandels in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reichten die Hafen- und Lagerkapazitäten Hamburg nicht aus und so wurde alsbald  mit dem Bau der Speicherstadt (1881-1888) begonnen.
In den folgenden Jahrzehnten wurde der Hafen auf die gegenüberliegende Elbseite ausgeweitet und 1888 der Freihafen geschaffen. Er machte Hamburg zu einem der weltgrößten Lager für Teppiche, Gewürze, Kaffee und Kakao. Durch den Bau des Nord-Ostsee-Kanals im Jahre 1895 erhöhte sich die Attraktivität des Hafens noch mehr.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs Hamburg nicht über seine mittelalterlichen Stadtgrenzen hinaus. Um 1850 betrug die Bevölkerungszahl etwa 50.000. Die Stadtteile St. Pauli, St. Georg und Altona lagen lange Zeit vor den Toren der Stadt. Erst ab 1860 wurden sie eingemeindet. Um 1900 betrug die Stadtbevölkerung schon eine Million. Im Jahre 1937 erhielt Hamburg dann die bis heute gültigen Grenzen.
Als wir am Samstag, den 23.9.2006 morgens gegen 9.30 Uhr bei unserer Tochter Annika in Hamburg-Altona ankamen frühstückten wir erst einmal zusammen.
Da Achim und ich begeisterte Angler sind fuhren wir natürlich nicht ohne Angelruten nach Hamburg. Wir hatten uns vorher einige Stellen ausgewählt, an denen wir, wenn wir die Gelegenheit hätten, auf Zander angeln wollten.
Als wir losgingen trafen wir gleich bei Annika um die Ecke auf einen Angelladen. Wir gingen hinein, um uns u.a. noch mit Meeresködern zu versorgen. Der Besitzer des Ladens gab uns  den Tipp zur  „Grünen Brücke“ zu fahren, was wir dann auch taten.
Uschi angelt an der Grünen Brücke
Warum beißt denn keiner an? Gibt's hier keine Fische?
Wir angelten dort fast 2 Stunden, während Annika sich von der Sonne bescheinen ließ. Leider ging uns trotz der neuen Gummifische, die wir im Angelladen gekauft hatten und die ein „Geheimtipp“ sein sollten, ohne Erfolg.
Na Uschi., beißt schon was?
Als wir unsere Sachen wieder eingepackt hatten beratschlagten wir, was wir als Nächstes tun sollten. Für einen Spaziergang über die Reeperbahn war es noch zu früh. Wir entschlossen uns nach Hamburg-Blankenese zu fahren.
Der Name Blankenese setzt sich aus blank für „weiß“ und Ness für „nasse Landzunge“ zusammen. Blankenese liegt auf dem nördlichen Geestrücken an der Unterelbe, der im Ortskern ein Steilufer bildet. Die bekannteste Erhebung ist der Süllberg mit 74,7 m Höhe. Die höchste Erhebung ist mit 91,6 m der Baurs Berg.
Hamburg-Blankenese
Wir mussten sehr viele Stufen hinunter gehen, bevor wir auf dem Strandweg waren. Dabei kamen wir an wunderschönen alten Land- und Herrenhäusern mit hübschen Gärten vorbei.
Wunderschöne Gärten gab es in Blankenese zu bestaunen
Als wir endlich auf dem Strandweg waren setzten wir uns erst einmal in den Biergarten des Strandhotels. Da es schon Mittagszeit war, bestellten wir uns eine der leckeren Fischplatten.  Gesättigt bummelten wir zum weiter bis wir zum Anleger. Der Ausflugsdampfer „Altona“ hatte gerade abgelegt.
Der Ausflugsdampfer "Altona"
Spaziergang auf dem Anleger
Prösterchen!
So läßt es sich aushalten!
Als wir einen Angler sahen sprach ich ihn an und fragte, ob er schon etwas gefangen hätte. „Ich nicht. Aber mein Sohn, der dort drüben steht, hat einen schönen großen Aal gefangen“ antwortete er.
Uschi sprach natürlich sofort den Angler an
Eine kleine Verschnaufpause am Elbufer
Prachtvolle Villen in Blankenese
Hier wohnt man bestimmt sehr schön
Nachdem wir etwas Nordseewind eingeatmet und einige Zeit den Schiffen auf der Elbe zugeschaut hatten, spazierten wir weiter zum Leuchtturm. Auf dem Weg dorthin sahen wir auf der gegenüberliegenden Seite das Gebäude von „Airbus“. Wir konnten den Leuchtturm schon sehen, als Annika plötzlich bemerkte, dass sie ihre Handtasche auf der Toilette am Anleger vergessen hatte. Sofort drehten wir beide um und gingen zum Anleger zurück. Gott sei Dank stand ihre Tasche noch unversehrt dort, wo sie sie vergessen hatte.
Im Hintergrund das Gebäude von "Airbus"
Das Gebäude von "Airbus"
Während dessen spazierte Achim alleine zum Leuchtturm weiter. Er ist 42 m hoch, wurde 1983 gebaut und ist seit 1984 in Betrieb. Für viele Leute, vor allem Radfahrer, ist er ein schönes Ausflugsziel.
Der Untere Leuchtturm in Blankenese
Auf der Elbe fahren Schiffe aus aller Welt
Spaziergang zum Leuchtturm von Blankenese
Ein beliebtes Ausflugsziel - nicht nur für Radfahrer
Hier erfährt man etwas über Blankenese
Als Achim wieder bei uns war gingen wir zurück zum Parkplatz, wo unser Auto stand. Die vielen Stufen, die wir vorher heruntergegangen waren, mussten wir jetzt wieder hochsteigen.
Nun heißt es wieder...
... viele, viele Stufen hinauf zu steigen
Als wir in Annikas Wohnung waren taten uns schon ein wenig die Waden weh. Wir tranken eine Tasse Kaffee und machten uns dann frisch für den Bummel über die Reeperbahn. Wir brauchten nur 20 Minuten zu laufen, dann waren wir in St. Pauli.
Reeperbahn bei Nacht
Namenspatron für das Hamburger Viertel, das eher durch Lust und Laster als durch Frömmigkeit von sich Reden macht, ist der Heilige Paulus. Den Namen St. Pauli erhielt der Stadtteil Hamburgs erst vor rund 160 Jahren. Jahrhundertelang wurde das Gebiet zwischen Heiligengeistfeld, Wallanlage und Hafenstraße nur der „Hamburger Berg“ genannt, wegen der Geesthöhe, die sich von Hamburg bis nach Wedel erstreckte. Die Geesthöhe besteht aus abgelagerten Sandmassen, die Stürme im Laufe von Jahrtausenden an das Ufer der Elbe getrieben haben. Die Spitze des Geesthügels haben die Hamburger 1620 während des 30-jährigen Krieges zum Bau ihrer Wallanlage abgetragen.
Das, was St. Pauli heute ist, Hamburgs bekanntestes Stadtviertel, daran haben die Seeleute aus aller Welt einen großen Anteil. Hier gingen sie an Land um sich zu vergnügen.
Auf dem Weg durchs Kneipenviertel...
... zur Reeperbahn
Als wir auf der Davidstraße, die zur Reeperbahn führt, waren verschwand langsam die Sonne.
Bald darauf tauchten wir in die glitzernde Nachtwelt von St. Pauli ein.
Früher galt die Davidstraße als Quartier der „Schlafbasen“. Die Frauen, die dort wohnten,  vermieteten Zimmer an Seeleute und versorgten sie mit einer neuen Heuer.
Wir gingen die Davidstraße hinunter und kamen bald zu einem roten Backsteingebäude, in dem Deutschlands berühmtestes Polizeirevier untergebracht ist: die Davidwache.
Gebäude der Davidswache
Polizeikommissariat 15
Aus den Erkern des Backsteinhauses blicken behände Legionäre aus Stein auf einen herab. Selbstironisch wacht das Auge des Gesetzes über die Gegend, die der Volksmund „St. Liederlich“ nennt.
In die Seitenfassade ist ein Wappen mit der Aufschrift „Polizeiwache“ eingelassen. Die Davidwache wurde von Stadtbaumeister Fritz Schumacher entworfen und 1914 erbaut. Wenn zwischen 2 Fensterreihen nicht in großen Lettern das Wort „Polizei“ haften würde, könnte man meinen, das Gebäude sei ein althamburgisches Kaufmannshaus.
Durch den linken der beiden Rundbögen im Erdgeschoß werden Straftäter oder Betrunkene in eine der fensterlosen Zellen im Keller der Davidwache geführt. Zumeist Samstagnacht, wenn sich die Reeperbahnbesucher mit Alkohol abgefüllt haben, kommt es zu Prügeleien und Messerstechereien. Von den 120 Beamten, die im flächenmäßig kleinsten Polizeirevier Hamburgs Dienst tun, sind dann 30 bis 40 Beamte auf Streife. Obwohl die Polizei eine Nulltolleranz-Strategie wie in New York verfolgt, ist in den letzten Jahren die Kriminalität im Viertel angestiegen. Vor 2 Jahren gab es sogar 3 Tote auf dem Kiez.
Obwohl es bestimmt sehr interessant ist, haben wir die Davidswache nicht besichtigt. Aber das werden wir sicher bei einem unserer nächsten Besuche nachholen.
Das so genannte Herz von St. Pauli, der Spielbudenplatz mit seiner Operetten-, Theater- und Clubmeile, wird im Volksmund „St. Lustig“ genannt.
Das grüne, mit einem goldenen Schwan verzierte Nachbargebäude der Davidwache ist das unter Denkmalschutz stehende St. Pauli -Theater. Am 28.05.1841 wurde es als „Urania-Theater“ eröffnet.  Es ist Hamburgs ältestes Privattheater. Hier traten u.a. die bekannte Volksschauspielerin Heidi Kabel und Freddy Quinn auf.  Das Musical „Der Junge von St. Pauli“ mit Freddy Quinn in der Hauptrolle, wurde gleich ein Hit. Auch das Schauspiel „Charlies Tante“ kam beim Publikum groß an.
Hamburgs ältestes Privattheater: das St. Pauli - Theater
Das „Urania-Theater“ hatte damals fast 1000 Plätze und war als repräsentatives Schauspielhaus von St. Pauli gedacht. Doch schon 3 Jahre nach seiner Eröffnung ließ der Publikumszuspruch nach. Am 23. Mai 1844 wurde aus dem „Urania-Theater“ das „Actien -Theater“. 1963 ersteigert Carl J.B. Wagner das Haus und gab ihm den Namen „Varieté-Theater“. Die Hamburger waren von den hamburgischen Lokalstücken, die auf der Bühne gespielt wurden, begeistert und schlossen das Haus am Spielbudenplatz in ihr Herz. Liebevoll wurde es von ihnen „Warmtee-Theater“ genannt. Für wenig Geld konnte man sich hier einen Abend köstlich amüsieren. Der 2. Rang unter dem Dach war der „Prüüntje-Böhn“. Hier saß nach der Arbeit für 40 Pfennig das einfache Volk und amüsierte sich.
Mit Ernst Drucker, der das Theater von 1884 bis 1918 führte, begann eine Blütezeit im nach ihm benannten Haus. Volksstücke in plattdeutscher Sprache wurden jetzt fester Bestandteil des Spielplans. Als Ernst Druckers 1921 starb, kaufte Siegfried Simon, bis dahin Chef des Flora-Theaters am Schulterblatt, das Theater.
Ecke Davidstraße
Uschi vor der Davidswache
Als 1941, zur Feier des 100jährigen Bestehens, eine Festschrift mit Grußworten von Emmy Göring und Heinrich George erschien, fiel den Nazis plötzlich auf, dass Ernst Drucker ein Jude war. Sofort wurde die Festschrift eingestampft und das Haus noch vor der Feier in „St. Pauli Theater“ umbenannt.
Seit 2003 versucht eine neue künstlerische Leitung mit Schauspielern wie Hannelore Hoger, Gerd Böckmann und Ulrich Tukur an die Tradition des Volkstheaters anzuknüpfen. Der Neustart glückte hervorragend.
Neben dem „St. Pauli Theater“ steht ein weißes Gebäude: das „Schmidts TIVOLI“, Seit dem 1. September 1991 macht Corny Littmann mit seinem Ensemble bestes Unterhaltungstheater. Hier erlebt man wunderbares Varieté und großartige Gastspiele.
Der Zuschauerraum ist achteckig und ähnelt eher einer Zirkusarena. Die Bühne reicht sogar bis in den Saal hinein und bringt damit das Geschehen auf der Bühne und das Publikum einander näher. Das Haus wurde 1870 gebaut und befindet sich heute fast wieder in seinem Ursprungszustand. Früher hieß es „Tivoli Concerthaus“. Von 1925 bis 1990 war es ein Amüsier-Tempel, das den Namen „Zillertal“ trug und pseudobayrisch in weiß und blau gehüllt war.
Schmidts TIVOLI hieß früher "Tivoli Concerthaus"
Der Name „Tivoli“ bedeutet laut Duden ein Vergnügungstheater oder Gartentheater. Früher war der Saal tatsächlich ein Biergarten unter freiem Himmel. 1896 wurde der Garten, vermutlich mit einer Glaskuppel, überdacht. 
Im Gebäude gibt es die Bar „Glanz & Gloria“, das Restaurant „Schatto Pauli“ und „Angie’s Nightclub“. Hier sind nicht nur Theaterbesucher herzlich willkommen.
Gleich in der Nähe, am Spielbudenplatz 24, eröffnete Corny Littmann am 08.08.1988 um 8 Uhr 8 abends das Schmidt-Theater. Die Familie Schmidt setzte es sich zum Ziel, „schräges Theater“ zu machen, d.h. Unterhaltung für Kopf, Herz und Bauch. Um es dem Publikum richtig gemütlich zu machen wurde es mit Samtsofas und Plüschsesseln eingerichtete.
Anfang 2004 ging eine Ära zu Ende, als das „Schmidt Theater“ seinen Spiebetrieb einstellte. Das baufällige Gebäude musste abgerissen werden. Am 30. Juli 2005 wurde der Grundstein für das neue Haus gelegt. Am 08.08.2005 wurde die Wiedereröffnung gefeiert. Seitdem kann man sich im fertig gestellten Entertaiment-Center wieder an Unterhaltungskünstlern und Variety erfreuen, getreu dem alten Motto des Schmidt-Theaters „Gnadenlos schlecht. Gnadenlos gut. Gnadenlos anders“.
Uschi vor der St. Pauli Bude
Die Rückseite der Bude
Schräg gegenüber der Davidswache befindet sich das „Kasino Reeperbahn“. Es wurde am 7. August 1987 eröffnet und wird heute täglich von über 500 Gästen besucht. Der Gast kann zwischen 128 Spielgeräten wählen. Ob Roulette, Black Jack oder Poker, es finden viele attraktive Spielangebote auf drei Ebenen statt, die alle mit einem Fahrstuhl erreichbar sind.
Leider reichte an diesem Wochenende unsere Zeit – und unser Geld – nicht für den Besuch des Kasinos. Aber wir werden uns sicher ein anderes Mal dort umsehen.
Das Kasino Reeperbahn
Als wir weitergingen erzählte uns Annika woher der Name „Reeperbahn“ kommt, nämlich von den Reepern, die in dieser Gegend ab dem 17. Jahrhundert Seile für die Schiffe herstellten.
Jährlich bewegen sich rund 25 Millionen Menschen die Reeperbahn auf und ab. Die Seeleute betreten heutzutage kaum noch die Amüsierlokale. Für einen Landgang lässt ihnen der moderne Containerverkehr keine Zeit.
Ein Einheimischer sagte einmal: „Nachts ist die Reeperbahn eine glitzernde verführerische Schönheit, aber tagsüber sieht sie aus wie eine abgetakelte Fregatte.“
Die Bevölkerung auf dem Kiez ist eine der ärmsten Hamburgs. Immer schon zog St. Pauli Fremde, Obdachlose und Ausgestoßene an .Als wir auf dem Hans-Albers-Platz, wo eine Abbildung von ihm als Holzfigur steht, ankamen löschten wir in einem Biergarten erst einmal mit einem Hefebier unseren Durst. Annika und ich schauten uns die sonnenstudiogebräunten blutjungen Bordsteinschwalben an, die dort ab 20 Uhr dicht an dicht aufgereiht standen. Allein auf St. Pauli gibt es an die 2000 Prostituierte.
Statue zu Ehren von Hans Albers auf dem Hans-Albers-Platz
Bei einem Glas Hefebier lässt es sich gut aushalten
Etwa 50 m südlich vom Hans-Albers-Platz zweigt die berühmt berüchtigte Herbertstraße ab.
Bereits 1797 wurde auf dem damaligen Hamburger Berg eine Gasse angelegt, in der Dirnen hinter Schaufenstern saßen. Um die Prostitution besser kontrollieren zu können ließ der Hamburger Senat die Gasse im Jahr 1900 zu einer geschlossenen Wohnanlage umbauen. „Und das Schönste an der Versuchung ist ihr nachzugeben.“ Mit diesem Werbespruch hatte die Zigarettenmarke West 1995 erstmals die Sichtblenden geschmückt. Sie stammen noch aus der Nazizeit. Was hier geschah war geduldet, sollte aber nicht öffentlich sichtbar sein. 130 Frauen im Alter von 18 bis 60 Jahren arbeiten heute in 3 Schichten in der Herbertstraße. Frauen sollten der Versuchung widerstehen, dort hinein zu gehen. Sie laufen Gefahr einen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet zu bekommen. Die Prostituierten wollen anschaffen und nicht wie im Zoo begafft werden.
Sehr gerne wäre ich einmal in das Erotic Art Museum gegangen. Es liegt am Ende der Bernhard-Nocht-Straße. In den 90iger Jahren eröffnete Klaus Bäcker das Erotic Art Museum. Er machte das öffentlich, was sonst hinter verschlossenen Türen gesammelt wird: erotische Kunstwerke. An diesem Abend war das Wetter einfach zu schön um die Zeit in einem Museum zu verbringen. Aber bei unserem nächsten Besuch werden wir es auf jeden Fall  nachholen. Das Museum zeigt Werke von Künstlern aus 6 Jahrhunderten, u.a. von Picasso, Dali, Paul Wunderlich, Henry Miller, Jakob Jordaens oder Tomi Ungerer. Manchmal kommen auch Gäste, die fragen, ob sie mal oben ohne gehen können. Einige Besucher kommen in Leder- oder Gummikleidung oder in Ketten und werden so als Gäste auch Teil der Ausstellung. Wer etwas trinken möchte, sollte dort ins „Grüne Cafe“ gehen. Den Eingang findet man im Erotic Art Museum. Es ist ein hübsches Jugendstil-Cafe.
Die „Washington Bar“ in der Bernhard-Nocht-Straße 79 gilt in Hamburg als Szene-Urgestein von St.Pauli. Hier trat 1952 in der damaligen Spelunke Franz Eugen Helmut Manfred Niedelpetz aus dem niederösterreichischen Niederflanitz auf. Er machte als Freddy Quinn Karriere. Mit einer geborgten Gitarre spielte er englische Songs für kanadische Gäste, die ihm begeistert ein paar Mark gaben. Heute erinnert an diese Zeit nur noch die gemütliche Einrichtung mit roten Samtvorhängen, alten Lampenschirmen mit Blümchenmuster und Hirschgeweihen an der Wand.
Wenn man die Bernhard-Nocht-Straße weiter hinab geht kommt man zum „ Hotel Kogge“. Das alteingesessene Hafenhotel ist ein Musiker- und Bandhotel mit einer dazugehörigen Bar. Statt für Seeleute bietet es heute Musikern und Bands ein Zuhause. Abends treffen sich in der Bar die Szene des Stadtteils mit Reisenden aus aller Welt und natürlich den Bands.
Im „Hotel Kogge“ bekommt jeder Hotelgast gratis zum Schutz gegen den Krach in der Hausbar ein paar Ohrenstöpsel. 
Geht man die Straße weiter sieht man am Ende ein weißes Quergebäude. Es ist das  ehemalige israelische Krankhaus, das 1842 der Onkel von Heinrich Heine erbaut hat. Heute befinden dort das Sozialamt und die Arbeitsagentur von St. Pauli.
Auf unserem Weg zur „Großen Freiheit“ schlenderten wir an Szenekneipen wie der „Barbara Bar“ und dem „Bambi“ entlang. Viele der abgewirtschafteten Spelunken in den Seitenstraßen der Reeperbahn wurden von jungen Leuten übernommen und mit neuen Konzepten wiedereröffnet. Einige sind recht hübsch mit kuscheligen Sofas eingerichtet. An Wochenenden strömen Tausende von jungen Menschen auf St. Pauli in Kneipen und Clubs.
Am unteren Ende des „Hamburger Bergs“ kamen wir zur Eckkneipe „Blauer Peter 4“. Die Kneipe  sieht aus wie eine Eckspelunke, in die man niemals gehen würde, wäre sie nicht voll von gutgelaunten Menschen, die hier die ersten Biere des Abends trinken.
Wir gingen die Simon-von-Utrecht-Straße hinab und bogen dann in die Talstraße ein. 
Für die Anwohner beherbergt die Talstraße allerlei Geschäfte. Hier gibt es Fahrradläden, Internetcafes, Drogerien und Tanzschuhläden. Aber vor allem ist sie die Schwulenpiste, mit Sauna, Kino oder der „Bar Wunderbar“. In der Kneipe „Freedom“ kehren vor allem ältere Herren ein. Sie kaufen jüngere Männer und gehen mit ihnen gleich nebenan im Hotel für 20 Euro die Stunde auf Steige.
Von der Talstraße gingen wir weiter in die Schmuckstraße. Am Ende der Schmuckstraße, an der Großen Freiheit, erhebt sich die katholische St. Josef-Kirche. Trotz des Gotteshauses waren wir mitten im Sumpf des Lasters und der Sünde. Nachts verwandelt sich nämlich die die Schmuckstraße zum Transvestiten-Strich. Die Transen stammen überwiegend aus Südamerika. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gingen in der Schmuckstraße chinesische Seeleute vor Anker. Sie eröffneten Waschsalons und Lokale. 1944 wurden alle 165 Chinesen von den Nazis deportiert.
Der Barockbau der St. Josef Kirche wurde Anfang des 18. Jahrhunderts errichtet. Damals war es den Katholiken in Hamburg untersagt, ihre Religion auszuüben. Sie wichen in das benachbarte Altona aus. In Altona, das zwischen 1640 und 1883 unter dänischer Herrschaft war, gab es Religions- und Gewerbefreiheit. Diese Freiheit meint der Straßenname „Große Freiheit“.
Große Freiheit Nr. 7
„Große Freiheit Nr. 7“ leuchtete auf der Reklame über der schmalen Straße auf. Der Eingang befindet sich auf der rechten Straßenseite. Wie fast alle Häuser hier gehört auch das zweistöckige Gebäude mit dem gläsernen Vorbau am ersten Obergeschoß Willi Bartels. An der Stelle des Neubaus stand hier früher das „Hippodrom“. Der Film „Große Freiheit Nr. 7“ hat das „Hippodrom“ berühmt gemacht. Er hatte 1944 in Prag Prämiere. Im Film von Helmut Kreutner sorgt Hans Albers als Seemann Hannes mit einer Quetschkommode für Hochstimmung im „Hippodrom“. Das Mädchen, in das er sich verliebt, entscheidet sich aber für einen anderen, so dass dem Blonden Hans nichts anderes übrig bleibt als sich das Meer zur Braut zu nehmen. Im deutschen Reich durfte der Film nicht aufgeführt werden. Er zeigte nicht, wie von den Nazis gewünscht, die Illusion einer heilen Welt.
Überall leuchten Reklameschilder
Das Stripplokal "Susi's Show Bar"
Repperbahn bei Nacht
Auf einer anderen, die Große Freiheit überspannenden Neonreklame, fiel uns ein gelber Elefant auf. Der Pfeil unter der Neonschrift „Safari“ zeigte auf das gegenüberliegende traditionelle Striptease-Lokal. Wir gingen an den zweiflügeligen Spiegeltüren mit den Abbildungen von trompetenden Elefanten vorbei und sahen uns in den Schaufenstern die vielen Fotos von Stripperinnen an.
Ein Stück weiter kamen wir zum „Dollhouse“. Im „Dollhouse“ tanzen makellose Frauen nackt auf Tischen und winden sich um Stangen. Es wird überwiegend von Männern besucht, die ihnen Geldscheine in die Strümpfe stecken. Ich wäre auch dort sehr gerne einmal rein gegangen. Doch als ich mir die Preise auf der Tafel am Haus anschaute, verging mir die Lust. Für eine Flasche Champagner wurde 222 € verlangt!
Im "Dollhouse" tanzen nackte Frauen auf den Tischen
Uschi kommt gerade aus dem Stripplokal
Uschi schaut sich die Preisliste lieber vorher an
Wir bummelten weiter und gingen dort, wo die Neongitarre hing, durch einen blauen Vorbau in die „Große Freiheit 36“. Es wurde 1985 wiedereröffnet und ist es eine erste Adresse für Konzerte aller Stilrichtungen. Viele Größen des Pop- und Rockbusiness haben hier auf der Bühne gestanden: Prince, ZZ Top, David Bowie, Neil Young, Joe Cocker, die Strokes. Chrissie Hynde und von den Pretenders haben die „Große Freiheit 36“ einmal als den "besten Liveclub der Welt" bezeichnet.
Die "Große Freiheit 36" wurde als der beste Liveclub der Welt bezeichnet
Im Keller des gleichen Gebäudes, dem so genannten „Kaiserkeller“, traten zu Beginn der 60er Jahre die Beatles auf.  Hier war der wichtigste Musikclub Deutschlands, der Star-Club. Allerdings steht das Gebäude an der Großen Freiheit 39 nicht mehr. 1983 brannte es ab. Der Star-Club war jedoch schon seit Silvester 1969 Geschichte.
Als wir durch den Hausdurchgang der Großen Freiheit Nr. 39 gingen, kamen wir zu einer schwarzen Gedenktafel, auf der „Starclub“ stand. Günter Zint und sein St. Pauli Museum e.V. haben einen Gedenkstein auf dem früheren Star-Club Gelände aufstellen lassen. Allerdings enthält der Stein einen lustigen Fehler. Unten rechts steht auch der Name der Band „The Who“. Diese sind jedoch nie im Starclub aufgetreten. Sie waren aber einmal als Gäste im Club. Der übereifrige Steinmetz hat bei der Gestaltung des Steines auch seine Lieblingsgruppe mit eingraviert.
Gedenkstein mit lustigem Fehler (s. Text)
An dieser Stelle, in einem 1886 abgerissenen Gebäude, öffnete 1962 der Vater aller deutschen Musikclubs seine Pforten. Zur Eröffnung verkündete ein rotes Plakat „Die Not hat ein Ende. Die Zeit der Dorfmusik ist vorbei“. Gleich zu Beginn engagierte der Macher Manfred Weissleder die damals noch unbekannten Beatles für 500 Mark Wochengage pro Person. Die Pilzköpfe traten 79 Mal im Starclub auf und starteten von hier aus ihre Weltkarriere.
Überhaupt gingen vom Starclub starke Impulse aus: Bill Haley, Jerry Lee Lewis, Little Richard, Fats Domino, Ray Charles, Jack Berry, Jimi Hendriks,  Black Sabbath, The Searchers, Bill Hale, The Everly Brothers, Black Sabbath, Cream und Brenda Lee rockten auf der Bühne. Aber auch deutsche Gruppen wie die Rattles. 1969 musste der Starclub schließen. Die Besucher blieben aus. 1983 brannte der wichtigste Musikclub Deutschlands ab.
Das „Salambo“ zog in das Gebäude ein und bot seinen Gästen öffentliche Populationen anstelle von Rock & Roll. Auch das „Salambo“ ist längst Geschichte.
Zum Abschluss unseres Reeperbahnbummels gingen wir in die „Ritze“. Auf die schwarze Bude im Hinterhof hat Erwin Rost, der Rubens der Reeperbahn, die gespreizten Damenbeine mit den roten Schuhen gemalt. Zwischen den Damenbeinen hindurch geht es in die Kneipe.

Zwischen den gespreizten Damenbeinen geht es in die "Ritze"

Die „Ritze“ ist kein Bumslokal, wie man meinen könnte. In der legendären Kiezkneipe hängen die Wände voller Fotos von Berühmtheiten aus Fernsehen und Sport, vor allem von Boxern wie Tarius, Tiger, Michachewski. Unter der Ritze betreibt der Wirt Hanne Kleine ein Boxcamp. Der Boxkeller der „Ritze“ hat Tradition. Hier trainierten schon Türsteher und Profiboxer gemeinsam.
Anfang der 80er Jahre erweiterte Hanne Kleine das Etablissement. Er mietete einen Teil der darunter liegenden Tiefgarage und baute ihn zu einem Boxkeller aus. Ursprünglich war der Boxkeller für Jungs vom Kiez gedacht. Nach und nach kamen auch Profils zum Training: René Weler, Eckhard Dagge, Henry Maske und alles was in Hamburg Rang und Namen hatte.
Dariusz Michalczewski hatte sogar bis 1994 sein Trainingslager dort.
An den Wänden hingen überall Autogrammkarten
Viele berühmte Boxer haben hier trainiert
Worüber freut sich Uschi wohl gerade?
Hoffentlich fallen die Boxhandschuhe nicht runter auf unseren Tisch
Man sieht's: Uschi und Achim sind ein glückliches und zufrieden Paar
Auch Hanne traniert hier nach wie vor jeden zweiten Tag, wenn auch nicht mehr so ernsthaft wie in den frühen achtziger Jahren, als er den Landesmeister-Titel im Mittelgewicht innehatte. 
Bis 1994 war die „Ritze“ auch ein Trainingslager für den heutigen WBO-Titelverteidiger Dariusz „Tiger“ Michaelczweski. Trainiert wurde er vom ehemaligen WBC-Weltmeister im Weltergewicht, Eckhard Dagge. Auch er hatte früher in der „Ritze“ trainiert. Eckhard Dagges Schlachten im Ring waren meist spektakulär und oft blutig. „Lieber krepieren als verlieren“, war sein Motto. Und so boxte er auch. Seine Weltmeister- und Europameister-Gürtel hängen noch heute in der „Ritze“.
Der Weltmeister- und Europameister -Gürtel von Eckhard Dagge
Im Keller boxen nicht nur harte Jungs. Als vor drei Jahren die Sporthalle der Jugendboxer vom BC Hanseat dichtgemacht wurde, bekamen die Jungs eine ungewöhnliche Alternative angeboten. Hanne hatte nichts dagegen, dass die damals noch minderjährigen Jugendlichen in der „Ritze“ weitertrainierten. Ein paar der Jugendlichen kommen auch heute noch mittags zum Training.
Auch Promis wie Formel-1-Reporter Kai Ebel oder der Sänger Sascha schauen ab und zu in der „Ritze“ vorbei, um zu boxen. Wer nicht mehr im Ring stehen mag, kann einen Stock höher im hinteren Teil der Kneipe mit Kollegen oder Stammgästen fachsimpeln. Die „Ritze“ bietet etwas für Boxer jeden Alters.
Aber nicht nur Boxer fühlen sich dort sehr wohl. Auch uns gefiel es so gut, dass wir uns dort fast 2 Stunden aufhielten. Allein die vielen Fotos an den Wänden zu betrachten dauert Stunden!
Die "Ritze" bietet nicht nur etwas für Boxer
Autogrammkarte. Von links nach rechts: Axel Schulz, Manfred Wolke, Max Schmeling, Henri Maske
Auf dem Heimweg machten wir bei einem chinesischen Restaurant halt. Annika aß dort noch als Mitternachtssnack Sushi und bekam endlich das typische Hamburger Bier Astra zu trinken. Danach ging es endgültig nach Hause. Unsere Beine dankten es uns sehr, als wir sie ausstreckten.

Oerlinghausen, den 15.10.2006

hier geht’s weiter ... Städtereisen Hamburg Teil 2