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Achim Kluck

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Uschis Angelberichte und mehr...

Räuber aus dem Åsnen
02.09. – 16.09.2006

 Teil I

Ein herrliches Panorama - Der Åsnen bei Windstille

Dieses Mal war nicht ich die Verrückte, sondern Achim und Thomas tilten fast aus. Schon Wochen vor unserem Schwedenurlaub – eigentlich war es ja kein Urlaub den wir geplant bzw. gebucht hatten, sondern wir hatten eine Woche am Åsnen Småland bei Ulli und Mona, www.schweden-ferienhaeuser.com gewonnen! – sprachen sie nur noch über das Angeln am Åsnen. Welche Ruten, welche Rollen, welche Kunstköder, welche Schnur, welche Vorfächer etc. Fast jede Woche gaben sie eine neue Bestellung im Internet auf.
Als Achim und ich vor 3 Jahren das erste Mal am Åsnen waren, begnügten wir uns mit dem, was wir an Angelsachen hatten. Lediglich ein paar Stahlvorfächer, Wobbler und Blinker kauften wir uns noch vor Ort. Im Laufe der Jahre ist unsere Kunstködersammlung zwar enorm gewachsen, trotzdem meinte Achim, dass wir noch spezielle Köder fürs Hechtangeln bzw. Schleppfischen auf dem Åsnen bräuchten.
Irgendwann erwähnte ich einmal, dass uns unser „Gewinn“ aber reichlich teuer käme.
„Wieso denn das? Die Köder können wir doch immer gebrauchen! Schließlich wollen wir mit unserem Bananaboot ja ab und zu auch mal schleppfischen.“
Ich stimmte ihm zwar zu, fand die vielen Kunstköder, die wir inzwischen hatten, aber doch reichlich übertrieben. Vielleicht lag es auch daran, dass ich nicht gerade der geborene Spinnfischer bin. Ich angle lieber auf Grund oder mit Pose, weil ich da gemütlich in meinem Stuhl sitzen und nebenbei die Natur betrachten kann. Natürlich hatte es mir damals auch großen Spaß gemacht mit dem Boot auf dem Asnen zu schippern und ein paar Hechte zu fangen.
Nachdem ich weiß, dass ich „seetauglich“ bin, habe ich auch Freude am Bootsangeln gefunden. Und so freute ich mich auf die 14 Tage in Schweden.. Lediglich die Vorbereitungen, die Achim und Thomas trafen, gingen mir etwas auf die Nerven.
Es reichte ja nicht, dass wir die richtige Angelausrüstung mitnahmen, nein, wir mussten ja auch noch an die Verpflegung in Schweden denken. Und auch Getränke standen wieder mit auf der Liste.
Ich hatte Achim zu seinem 50. Geburtstag eine Zapfanlage für 5-Liter-Dosen geschenkt. Sie gefällt uns so gut, dass wir seitdem unser Weißbier kaum noch aus Flaschen trinken. Gezapft schmeckt ein Bier nun einmal viel besser! Daher entschlossen wir uns auch die neue Zapfanlage mitzunehmen. Natürlich nutzt eine Zapfanlage nichts, wenn kein Bier da ist. Also bestellten wir schon rechtzeitig bei unserem Getränkehändler die 5-Liter-Fäßchen Hefebier. Bei dem Gedanken, diese auch noch in unserem Auto zu verstauen, geriet ich gleich wieder in Panik. Doch Achim erinnerte mich daran, dass wir vor 3 Jahren auch alles in meinen Opel Vectra bekommen hatten. Und mein Peugeot 307 SW hat sogar noch viel mehr Platz. Außerdem konnten wir die Rücksitze ausbauen, was wir auch taten.
„Ja, das stimmt. Aber damals hatten wir auch kein Echolot, keine Zapfanlage und auch nicht so viele Angelsachen mitgenommen. Allein die vielen Kunstköder und Bierdosen nehmen schon eine Menge Platz weg“ erwiderte ich.
„Mach dir keinen Kopf. Das kriegen wir schon untergebracht. Die Fähre von Puttgarden nach Rødby (Dänemark) habe ich auch schon gebucht. Darin ist die Fahrt über die Öresundbrücke nach Malmoe gleich mit enthalten. Wir dürfen nur nicht krank werden, dann ist das Geld futsch.“
Ich erwiderte: „Das werden wir schon nicht. Ich fahre auf jeden Fall. Egal, wie es mir gesundheitlich geht!“
Einige Tage vor unserer Reise bestellte Achim noch wasserfeste Taschen für die Kamera, das GPS und den Fotoapparat. So ausgerüstet musste es einfach ein toller Urlaub werden.
Wenn denn das Wetter ebenfalls mitspielte! Im Juni und Juli konnte man es vor Hitze kaum aushalten und gleich zu Beginn des August zog ein Tiefdruckgebiet nach Deutschland, das sich hartnäckig hielt. Die Temperaturen kletterten nicht mehr über 25 Grad und ständig war es am Regnen. Fürs Angeln war es natürlich gut, dass die Wassertemperatur runter ging, aber frieren wollte ich im Urlaub auch nicht unbedingt. Deshalb schaute ich jeden Tag gespannt den Wetterbericht an und betete inständig, dass wir in Schweden wenigstens einiger massen gutes Wetter bekämen. Es brauchte ja nicht unbedingt sonnig und heiß sein, aber wenigstens trocken. Und vor allen Dingen sollte nur ein leichter Wind wehen, so dass wir jeden Tag die Möglichkeit hätten mit dem Boot raus zu fahren.
Wir hatten zu Hause noch die Tiefenkarte vom Åsnen, die Ulli uns vor 3 Jahren ausgehändigt hatte. Achim zeichnete schon vorab die markanten Punkte auf der Karte ein und gab die Koordinaten in das GPS, damit wir leichter unseren Weg auf dem See fanden . Dann kopierte er noch Kartenabschnitte und schweißte diese in eine wasserfeste Folie ein.
Eine Woche vor unserer Reise gingen wir mit dem Abu Wobblern (Hi-Lo und Tormentor) an unseren Vereinssee und testeten sie schon einmal vorab. Der Tormentor gefiel mir besonders gut. Er hat tatsächlich hervorragende Laufeigenschaften. Als ich dies sah, freute ich mich noch mehr auf Schweden.
Zwei Tage vor unserer Abreise checkten wir noch einmal unseren Wagen. Dabei stellten wir fest, dass der Kühler nicht ganz dicht war. „Das kann doch nicht sein!“ entrüstete ich mich. „Der Wagen wird gerade mal 3 Jahre alt.“ Thomas, der eine Kfz-Werkstatt betreibt, wollte uns auf die Schnelle noch einen neuen besorgen. Doch als er bei einem Peugeot-Händler anrief, sagte man ihm, dass der Kühler erst Mitte der nächsten Woche zu bekommen sei. Das war zu spät, denn schließlich fuhr Thomas einen Tag nach uns an den Åsnen. Achim fragte telefonisch bei unserer Werkstatt nach, was zu machen sei und bekam als Antwort, dass wir zu der Schwesternwerkstatt in Bielefeld fahren sollten. Dort hätte man einen Kühler vorrätig und wir bekämen ihn auf Kulanz kostenlos noch am Freitagmittag eingebaut.
Statt wie geplant um 13.30 Uhr Feierabend zu machen (Achim wollte mich dann abholen)  verließ ich das Büro um 11 Uhr und ließ mich von Heike nach Oerlinghausen bringen um das Auto zu holen. Anschließend fuhr ich zurück nach Bielefeld in die Werkstatt. Um 14.30 Uhr konnte ich endlich den Wagen abholen. Als ich zu Hause ankam hatte Achim schon den größten Teil des Reisegepäcks nach unten getragen. Als alles im Auto verstaut war gingen wir noch einmal zu meiner Schwester um uns zu verabschieden.
Unser vollgepackter Peugeot
Viel passt nicht mehr rein......
Um 19.30 Uhr fuhren wir los und um 23.45 Uhr waren wir in Puttgarden. Wir brauchten nur 15 Minuten warten bis wir auf die Fähre konnten. Zu dieser Tageszeit waren nur wenige Fahrgäste an Bord.
Warten auf die Fähre in Puttgarden
Wir kamen als letztes auf die Fähre
Auf der Überfahrt nach Rødby gingen wir erst einmal in die Cafeteria, wo wir etwas aßen. Dann schauten wir uns noch im Shop etwas um. Kurz darauf hieß es schon wieder ins Auto steigen und von der Fähre zu fahren. Die Fahrt durch Dänemark ging relativ gut voran. Lediglich ein Lkw und ein Bus, die hinter uns fuhren, wollten uns zwingen die Geschwindigkeit zu erhöhen, was wir jedoch ignorierten. Auf der Fähre hatten wir von anderen Anglern gehört, dass die Dänen und auch die Schweden streng auf die vorgeschriebene Geschwindigkeit achten würden. Oft würden ausländische Fahrzeuge von zivilen Polizisten dazu genötigt schneller zu fahren als erlaubt, um sie anschließend abzukassieren.
Die Fahrkarten für die Fähre und die Öresundbrücke hatten wir schon vorher übers Internet (www.oeresundbruecke.de) bestellt. Wir bekamen einen Transponder mitgeliefert, mit dem wir ohne zu warten die Schranke auf der Öresundbrücke passieren konnten. Kurz darauf waren wir auch schon in Schweden.
Hinter der Öresundbrücke hielten wir zunächst einmal auf dem grossen Parkplatz an.
„Wollen wir uns nicht ein wenig schlafen legen?“ fragte ich Achim.
„Nö. Ich fühle mich noch ganz fit.. Lass uns ruhig weiterfahren. Schlafen können wir, wenn wir in Knutsagården sind.“
Zuerst fühlte ja auch ich mich noch ganz fit, doch nach und nach kam die Müdigkeit und ich konnte sie kaum noch unterdrücken. Immer wieder fielen mir die Augen zu. Irgendwann aber war dieser Punkt überschritten und ich war wieder hellwach. Tagsüber kann man auf der Fahrt durch Schweden Wälder, Seen und die typischen schwedischen Häuser bewundern, aber bei Dunkelheit und Morgennebel ist die Fahrt doch ziemlich eintönig und anstrengend. Ausserdem kommt man auch nicht schneller voran, denn dann heisst es höllisch aufpassen, denn man muss immer damit rechnen, dass ein Elch, Reh oder Wildschwein die Straße kreuzt..
Ein paar Kilometer hinter Ryd sahen wir noch das Hinterteil eines Elches, der gerade vor uns die Strasse überquert hatte, im Wald verschwinden.
Um 6 Uhr waren wir an unserem Ferienhaus, das den Namen „Stenstuga“ trägt. Es ist ein reines Holzhaus, wie die meisten schwedischen Häuser. Seinen Namen (Steinhütte) verdankt es dem grossen typisch småländischen Findling, der auf dem 1300 m² grossen Naturgrundstück liegt. Das Haus ist vor einigen Jahren neu eingerichtet worden. Das Wohnzimmer mit offenem Kamin und Essecke ist sehr gemütlich. Neben Küche und Bad (das WC ist separat) befinden sich 2 Schlafzimmer. In einem steht ein Doppelbett, das andere verfügt über ein stabiles Etagenbett. Das Holzhaus liegt absolut ruhig am Ende eines kurzen Weges.
Der große Stein, welcher der Hütte ihren Namen gab
Unser Feriendomizil
Unser Feriendomizil
Vordere Terrasse
Wohnzimmer
Blick vom Wohnzimmer zur Küche
Flur
Unser Auto
Wir parkten unser Auto auf der Rasenfläche in der Nähe der Hütte.
Zuerst einmal schlossen wir die Hintertür auf und brachten die Reisetaschen und Kühlboxen rein. Unsere Rutentaschen stellten wir auf die vordere Terrasse, die an das Wohnzimmer grenzt. Dann setzten wir uns auf die hintere Terrasse mit den Holzbänken und tranken in aller Ruhe eine Flasche Bier.
Nun spürte ich doch die lange Fahrt und dass mir Schlaf fehlte.  Der Stress im Büro in den letzten Wochen und die schwere Erkrankung meiner Schwester (unheilbarer Lungenkrebs) hatten mir so sehr zugesetzt, so dass ich bei unserer Ankunft völlig erschöpft war. Ich hoffte inständig, dass ich mich in den nächsten vierzehn Tagen wenigstens einigermaßen erholen würde und vor allen Dingen etwas abschalten konnte.
Als ich unsere Tasche, in denen u.a. ein paar Lebensmittel waren auspackte, stellte ich fest, dass die Flasche mit dem Spülmittelkonzentrat ausgelaufen war. Das war einfach zuviel.  Ich heulte los und regte mich über Dinge auf, die mir ansonsten nichts ausgemacht hätten.
„Was ist denn, mein Schatz?“ fragte Achim.
„Ach, ich weiß auch nicht. Mir gefällt es hier nicht. Ich möchte am liebsten sofort wieder nach Hause“, heulte ich.
„Na komm! Trink dir einen Schnaps. Dann geht es dir besser. Du bist völlig überdreht. Die Erkrankung von Margit, der Stress im Büro, das alles hat dich fertig gemacht. Jetzt kannst du dich erholen und abschalten“, tröstete mich Achim.
„Ein Schnaps am frühen Morgen? Na gut. Aber dann koche ich mir erst einmal einen heißen Kaffee sonst halte ich die Warterei, bis Ulli kommt nicht durch“, antwortete ich.
Es dauerte zwar einige Zeit, dann ging es mir psychisch etwas besser. Aber nach der zweiten Tasse Kaffee war ich nicht wach, sondern fühlte ich mich nur noch müder.
„Komm, lass uns zum Wasser gehen und nachsehen, ob die Boote dort liegen. Vor allen Dingen will ich ausprobieren, ob unsere Rutenhalter passen“, sagte Achim weiter.
Der Bootsplatz lag nur 90 m vom Haus entfernt. Als wir dort hingingen sah ich rechts und links von mir viele Pilze, darunter auch einige Steinpilze. Da ich auch eine begeisterte Pilzsammlerin bin hob sich meine Stimmung sofort, als ich das sah.
„Achim, schau dir die vielen Pilze an! Jetzt brauchen wir uns ums Essen keine Sorgen zu machen“ rief ich begeistert aus. „Heute Abend gibt es Fisch mit Pilzen!“
„Die Pilze haben wir, aber Fische müssen wir erst mal fangen.“
Lachend antwortete ich: „Das kriegen wir schon hin.“ Achim war überglücklich, als er die Rutenhalter am Boot montierte. Sie passten wie angegossen. Auch ich war froh, dass wir die 90 Euro nicht umsonst ausgegeben hatten.
Das viele Wasser im Boot zeigte uns, dass es die letzten Tage wohl recht feucht gewesen sein musste. Hoffentlich würde sich das ändern!
Unsere Angelboote
Ein wunderschöner Fliegenpilz
Noch niemals hatte ich so viele Steinpilze gesehen
Ich war überglücklich
Auch Maronen gab es viele
Ob das wohl fürs Abendessen reicht?
Wir gingen zurück zum Häuschen und riefen Ulli an, um ihm mitzuteilen, dass wir vor 2 Stunden angekommen seien. „Was? Ihr seid schon da? Wir kommen in 2 Minuten. Sind ganz in eurer Nähe“, antwortete er.
Kurz darauf kamen er und Mona zu uns. Sie begrüßten uns sehr herzlich. Nachdem das Wichtigste geklärt und unsere Angelscheine ausgestellt waren, legten wir uns gegen 10 Uhr ins Bett um wenigstens ein paar Stunden Schlaf nachzuholen.

Um 14.30 Uhr wurde ich wieder wach, als mir die Sonne in die Augen schien. Während Achim noch ein wenig schlief  kochte ich uns einen starken Kaffee. Später, als Achim aufgestanden war, gingen wir noch einmal zum Boot. Dann wollten wir durch das Wäldchen zum Fluss gehen. Leider war das nicht mehr möglich, denn inzwischen hatten die Bewohner des Häuschens einen Zaun um ihr Grundstück gezogen. Ich pflückte die ersten Pilze, die wir auf unserem Spaziergang sahen.
Etwas später stiegen wir in unser Auto und versuchten einen Weg zu finden, der zum Fluss führte. Nach einiger Mühe fanden wir ihn auch. Aber dort, wo wir endlich parken konnten, pfiff der Wind direkt vom See herüber. Es war die letzte Kurve des Flusses, bevor er in den Åsnen mündete. Hier, so schien uns, war das Angeln nicht besonders günstig.
Nach einigen Minuten fuhren wir zurück zum Haus. Bis zum Fußballspiel (Deutschland : Irland) am Abend saßen wir aus der Terrasse und genossen die Sonnenstrahlen. Gleich nach dem Fußballspiel, das Deutschland mit 1:0 gewann, legten wir uns schlafen.
Heike und Thomas, so hatten wir telefonisch erfahren, waren gegen 19 Uhr in Schloß Holte losgefahren. Sie riefen kurz durch, als sie in Puttgarden waren. Es würde also noch ein paar Stunden dauern, bis sie bei uns waren.
Ich war gerade im Traum dabei meinen ersten Hecht zu drillen, als mein Handy klingelte. Verschlafen meldete ich mich. „Mutti, lass uns rein!“ tönte es aus dem Telefon.
Ich schaute auf die Uhr: Es war gerade mal 4.30 Uhr! Ich fragte: „Wo seid ihr?“
„Na hier. An der Hütte“ bekam ich als Antwort.
Sofort war ich hellwach und rüttelte Achim: „Schatz, wach auf. Heike und Thomas sind da!“
Ich zog meinen Bademantel über und ging zur Tür. Es regnete. Ich war überrascht, dass Heike und Thomas schon so früh angekommen waren. Sie mussten ohne jede Pause durchgefahren sein.
Wir begrüßten uns herzlich, redeten noch ein bisschen und legten uns alle zum Schlafen hin. Als ich wieder wach wurde war es gerade mal 8.15 Uhr. Viel hatte ich also nicht geschlafen. Mein erster Blick galt dem Wetter. Es regnete noch immer, außerdem blies ein stürmischer Wind. Leise ging ich in die Küche und kochte eine große Kanne Kaffee für uns. Als erstes stand Thomas auf, dann kam Heike und zuletzt Achim. Als wir alle unsere erste Tasse Kaffee getrunken hatten beratschlagten wir, was wir mit dem angebrochenen Tag anfangen sollten. Bootsfahren erschien uns nicht gerade optimal, da es immer noch sehr windig und bedeckt war. Also entschlossen wir uns mit dem Auto an die Brücke in Yät zu fahren, um ein paar Köderfische zu fangen. Das Wasser brodelte dort nur so. Es erfolgte ein Biss auf den anderen. Man konnte glauben, die Lauben und Rotfedern hätten nur auf uns gewartet.
Köderfischangeln an der Brücke in Yät
Das Wasser brodelte nur so von Fischen
Heike hatte wohl genügend Köderfische gefangen, denn plötzlich stand sie auf, ging in den  Wald auf der gegenüberliegenden Seite und suchte Pilze. Als sie sah, wie viele es dort gab holte sie einen 30-Liter-Eimer aus dem Auto. Schnell hatte sie ihn voller Maronen. Da es nach Regen aussah, packten wir nach ca. 2 Stunden unsere Sachen zusammen und fuhren zurück zum Ferienhaus.
Schaut mal, was ich gefunden habe
Nun wurden die Pilze geputzt
Habt ihr schon einmal solche riesigen Pilze gesehen?
Um 14.30 Uhr aßen wir zu Mittag. Inzwischen war es wieder ein wenig am Regnen, doch um 16 Uhr schien wieder die Sonne.
Wir gingen gemeinsam zum Bootssteg, denn Achim und Thomas wollten ihre Echolote ausprobieren. „Vorsichtshalber“ nahm jeder von uns eine Spinnrute mit. Der Motor an dem Boot, welches für Heike und Thomas vorgesehen war, sprang sofort an. Bei unserem dauerte es eine Weile. Als er leise vor sich hintuckerte streikte der andere jedoch wieder.  Thomas versuchte es wieder und wieder, aber der Motor wollte nicht mehr anspringen. Kurz entschlossen stiegen wir alle vier in unser Boot und fuhren auf den Åsnen.
Zuerst einmal mußten die Boote leergeschöpft werden
Die Einfahrt zur Anlegestelle
Vier in einem Boot
Wunderschöner Åsnen
Wir fuhren jedoch nicht auf den See hinaus, sondern bogen in den Fluss Aggaå ein. Obwohl ich mir keine Hoffnungen auf einen Biss machte, warf ich den kleineren, flach laufenden Hi-Lo-Wobbler in rot-weiß aus und schleppte ein wenig. Unterwegs hatte ich mehrmals einen Hänger. Ich wollte das Schleppen schon aufgeben, als sie meine Rutenspitze erneut bog. Dieses Mal war es jedoch kein Hänger. Ein kleiner Hecht von ca. 40 cm hatte sich meinen Wobbler geschnappt. Vorsichtig löste ich den Drillingshaken und setzte ihn wieder in den Fluss zurück.
Der  Aggaå
Ein kleiner Hecht konnte dem rot-weißen Hi-Lo-Wobbler nicht widerstehen
Wir fuhren bis zur zweiten Brücke weiter und drehten dann um. Ein paar Mal schleppten wir die Strecke ab, ohne dass ein weiterer Fisch nach dem Kunstköder schnappte. Um 18 Uhr legten wir wieder am Bootssteg an.
Nachdem wir zu Abend gegessen hatten besprachen wir noch den Ablauf des nächsten Tages. Wir hofften alle sehr, dass das Wetter sich dann etwas beruhigt hatte und eine Fahrt auf dem Åsnen möglich sei. Nach dem gemeinsamen Krimi im Fernsehen gingen wir sofort ins Bett.
Am nächsten Morgen (Mo., 04.09.) war ich schon um 5 Uhr wach. Zuerst ging ich nach draußen, um nach dem Wetter zu schauen. Es war zwar noch kühl und etwas windig, aber es regnete wenigstens nicht mehr. Eineinhalb Stunden später kamen auch die ersten Sonnenstrahlen. Zwar war es immer noch windig, aber am blauen Himmel waren keine Wolken zu sehen. Da Heike, Thomas und Achim noch tief und fest schliefen, las ich in meinem mitgebrachten Thriller weiter.
Kurz vor Mittag waren die anderen aufgestanden. Als Thomas sah, dass es immer noch sehr windig war, wollte er nicht mit dem Boot auf den See fahren. Heike traute sich wohl auch nicht so recht. So beschlossen wir, noch einmal im Aggaå zu angeln. Achim und ich fuhren mit dem Auto schon vorweg und suchten auf der Schafswiese einen Angelplatz.
Der Fluss  Aggaå
Warten, daß die Fische anbeißen
Saftige Wiesen und grüne Bäumen säumen den Fluss
Der Fluss  Aggaå
Eine Viertelstunde später waren auch Thomas und Heike da. Gegen 14 Uhr tauchten am Himmel dunkle Wolken auf. Thomas und Heike, die keine Regensachen angezogen hatten, packten ihre Angelsachen ein und fuhren zur Hütte zurück. Obwohl es zu regnen anfing, blieben Achim und ich noch bis 15.30 Uhr am Fluss. Gefangen hatten wir jedoch nur einige Barsche. Als wir wieder in der Hütte waren, hörte es zu regnen auf. Dafür war es inzwischen noch stürmischer und auch ein wenig kälter geworden. Es dauerte jedoch nur eine knappe halbe Stunde, bis wieder die Sonne schien. Noch etwas schlapp von der langen Autofahrt und dem wenigen Schlaf, den sie bekommen hatten, wollten sie nun doch nicht mehr mit dem Boot rausfahren. Also blieben Achim und ich ebenfalls im Haus. Nach dem Abendessen würfelten wir ein bisschen, bevor wir uns schlafen legten.
Am Dienstagmorgen (05.09.) war es wieder sonnig, aber immer noch sehr windig.
Trotzdem fuhren wir um 10 Uhr mit dem Boot auf den Åsnen. Wegen dem Wind und den Wellen fuhren wir um eine Insel. In einer geschützte Bucht blinkerten und schleppten wir.
Die Boote werden startklar gemacht
Heike und Thomas in ihrem Boot
Thomas schaut nach, ob noch genug Sprit im Tank ist
Uschi wartet auf einen Biss
Der Kapitän Achim
Als sich nach längerer Zeit nichts tat fuhren Achim und ich aus der Bucht an eine Stelle, wo es ein  tiefes Loch gab. Hier, in 6 Metern Tiefe konnten wir auf dem Echolot einige Raubfische erkennen. Wegen der starken Windböen war ein Schleppen jedoch nicht möglich, so dass wir mit einigen Schwierigkeiten wieder in die Bucht zurück fuhren, wo wir dann ankerten. Eine halbe Stunde blinkerten wir dort erneut, aber für den Köder interessierte sich kein Räuber. Auf dem Rückweg entschlossen wir uns noch einmal in den Aggaå zu fahren und dort unser Glück zu versuchen.
Heike und Thomas fuhren dieses Mal vor uns her. Sie hatten gerade die erste Kurve im Fluss  hinter sich, als wir einen Schrei vernahmen.
„Schatz, hast du das auch gehört? Ich glaube, Heike hat geschrieen. Ob etwas passiert ist? Hoffentlich ist sie nicht reingefallen!“ fragte ich aufgeregt Achim.
„Keine Ahnung was passiert ist. Das werden wir ja gleich sehen“, antwortete er.
Als wir bei Heike waren hielt sie freudestrahlend einen Hecht hoch. Es war der erste Hecht überhaupt, den sie gefangen hatte. Es hatte eine stattliche Länge von 66 cm.
Ich gratulierte ihr und sagte dann lachend: „Na Jungs. Jetzt müsst ihr euch aber mal anstrengen. Bisher liegen wir Frauen eindeutig vorne.“
Heikes erster Hecht, gefangen auf einem rot-weißen Hi-Lo-Wobbler
Darauf kann man schon stolz sein
So ein großes Maul!
Während wir weiterschleppten schrie Achim plötzlich los.
„Aua! Verdammtes Mistvieh!“
„Was ist passiert?“ fragte ich ihn.
„Mich hat eine Wespe in die Wange gestochen. Und das gleich zweimal!“ antwortete er.
Gott sei Dank hatte ich für solche Notfälle von zuhause eine Salbe mitgebracht und auch dabei. Ich reichte sie ihm und er rieb sich damit die Wange ein. Dann tuckerten wir langsam weiter den Fluss hinauf. Aber so richtige Lust zum Bootfahren hatte Achim nicht mehr. Ihm tat die Wange ganz schön weh und sie war auch bald dick angeschwollen.
Um 15 Uhr waren wir wieder am Bootsanleger. Etwas enttäuscht, dass wir nicht im Åsnen hatten angeln konnten und im Fluss keine weiteren Räuber fingen, schleppten wir unsere Angelsachen zur Hütte zurück.
„Thomas. Nicht traurig sein. Morgen ist auch noch ein Tag“, tröstete ich ihn.
„Schon. Aber weißt du wie das Wetter morgen ist? Wir können ja nur mutmaßen, was uns am anderen Tag erwartet, wenn wir uns den Wetterbericht vom NDR ansehen. Eigentlich sollte der Vermieter den Anglern solche Informationen geben können.“
Um 19 Uhr sehen wir auf dem Fernseher, dass der Wetterbericht ein ausgiebiges Tief über Skandinavien. Draußen war davon jedoch noch nichts zu merken. Im Gegenteil. Die Sonne schien immer noch vom blauen Himmel. Nur der Wind ließ einfach nicht nach.
Aber über Nacht hatte sich das Wetter geändert, denn am anderen Morgen (Mi., 06.09.) war es fast windstill. Ab und zu wehte nur ein ganz leichtes Lüftchen. Ich war schon wieder sehr früh wach (6 Uhr) und als ich nach draußen schaute wurde ich etwas ungeduldig, weil die anderen noch tief und fest schliefen. Immer wieder schaute ich auf die Uhr, dann nach draußen und wartete darauf, dass endlich einer aufstand.
„Müssen die denn so lange schlafen? Jetzt wäre die beste Gelegenheit mit dem Boot raus zu fahren“, dachte ich bei mir.
Gegen 7 Uhr waren die ersten Wolken am Himmel zu sehen und ein wenig Wind war aufgekommen. Ich saß wie auf heißen Kohlen! „Verdammt, wann werden die denn endlich wach?“ grummelte ich vor mich hin.
Es dauerte noch eine gute Stunde bis alle endlich aufgestanden waren. Sie brauchten sich nur frisch zu machen, anzuziehen und den Kaffee, den ich für sie schon gekocht hatte, zu trinken. Dann könnten wir endlich losfahren, dachte ich.
Aber so schnell bzw. munter waren Heike, Thomas und Achim noch nicht. Ganze 2 Stunden klüngelten sie noch herum, bis wir endlich auf dem Boot waren.
„Was hätte ich in 5 Stunden schon alles fangen können?“ ging es mir durch den Kopf. „Und das wollen Angler sein? Schlafen können die doch wohl zuhause. Ich dachte, wir wären hier zum Angeln hingekommen!“
Endlich saßen wir in den Booten. Wir fuhren erst einmal zur Insel Harö im Schongebiet.
Thomas und Heike fischten in der Nähe des Ufers mit einem 11cm Hi-Lo-Wobbler in weiß-rot. Achim und ich schleppen einige Meter weiter weg von den beiden.

Thomas und Heike in ihrem Boot

Uschi und Achim in ihrem Boot
Schatz, gib nicht so viel Gas!
Plötzlich hören wir auf dem anderen Boot einen Lärm.
„Was ist denn da los? Will Thomas das Boot zerhacken?“ fragte ich.
Wir fuhren zu ihnen heran und ich rief zu Heike rüber: „Was macht ihr da? Was  soll der Krach?“
Sie antwortete lachend: „Thomas hat einen Hecht gefangen. Und was für einen! Der macht einen Riesenspektal im Boot.“
Schnell holte ich die Videokamera heraus und fing zu filmen an. „Petri Heil, Thomas“, rief ich ihm zu. „Halte doch mal den Fisch hoch, damit wir ihn sehen können.“
„Gleich. Der schlägt immer noch um sich“, antwortete er, während er weiter versuchte ihn zu betäuben.
„Willst du den denn mitnehmen?“ fragte ich ihn.
„Ja. Diesen. Damit mir Bärbel glaubt, dass ich wirklich einen Hecht gefangen habe.“
Endlich war der Hecht ruhig und Thomas konnte seinen stolzen Fang zeigen. Ein Hecht von 95 cm hatte sich seinen Wobbler geschnappt.
„He, Thomas! Das gibt aber heute Abend eine Party. Für diesen tollen Fang musst du einen aus tun.“
„Klar. Mach ich doch. Aber jetzt wird erst mal weiter geangelt. Vielleicht gibt es hier ja noch mehr von diesen tollen Hechten“, antwortete er.
Heike und Thomas blieben noch eine gute halbe Stunde an der gleichen Stelle, aber es ging ihnen kein weiterer Fisch an den Haken.
Thomas mit seinem 95er Hecht!
Der erste Hecht. Und gleich so riesig.
Mit solchen großen Augen kann man die Beute leicht erkennen
Thomas mit seinem 95er Hecht
Achim und ich fuhren indessen weiter. Stellenweise war es 4 m tief, dann wurde es wieder sehr flach und wir mussten unsere Köder reinholen, um keinen Hänger zu riskieren.
Kurz nachdem ich wieder aufgeworfen hatte, bog sich meine Rute. Im ersten Moment glaubte ich einen Fisch am Haken zu haben, doch schnell merkte ich, dass ich einen Hänger hatte.
„Achim, halt bitte an und fahr zurück. Ich habe einen Hänger.“
Sofort stoppte Achim den Motor, holte seine Rute rein und fuhr zurück.
Als wir an die Stelle kamen, wo der 11cm-Wobbler an einem Hindernis fest hing, herrschte dort eine starke Unterströmung. Die Spitze meiner Rute war fast im Wasser verschwunden. Der Sog war so stark, dass ich dachte, mir würde die Rute aus der Hand gerissen.
Statt das Boot von der Stelle, wo der Wobbler fest hing, wegzufahren, trieb es genau darüber. Ich schrie noch: „Achim! Meine Rute! Nach rechts fahren!“, dann riss die Schnur und es krachte laut. Als ich genauer hinsah, erkannte ich, dass meine Rute durchgebrochen war.
Ich gab Achim die Schuld an dem Missgeschick und war stinksauer auf ihn. Ich hatte zwar noch eine zweite, etwas kürzere Rute dabei, aber aus lauter Wut angelte ich die nächste halbe Stunde nicht mehr, sondern saß schmollend im Boot.
„So ein Scheiß! Das ist mir noch nie passiert. Warum bist du nicht von der Stelle weggefahren?“ maulte ich.
Immer wieder versicherte Achim mir, dass die Rute zerbrochen sei, weil sich beim Versuch den Wobbler vom Grund zu lösen die Schnur um die Rutenspitze gewickelt hatte. Deshalb tat es der Freilauf nicht mehr und ich konnte keine Schnur geben.
Wir fuhren weiter und während der Fahrt sagte ich zu Achim: „Eigentlich gefiel mir die Rute vom Aussehen sowieso nicht so gut. Weißt du noch, die hatte ich mir vor 3 Jahren auf der Anglermesse in Dortmund gekauft.“
„Ich weiß. Aber vielleicht kann man sie ja noch reparieren. Bisher hast du doch damit gut gefangen. Das war eben halt Pech.“
Nachdem ich mich beruhigt hatte machte ich die andere Rute fürs Schleppen fertig. Aber die Arbeit war umsonst, denn es biss kein Fisch an. Gegen 12.45 Uhr fuhren wir zum Anleger zurück.
Beim Mittagessen sprach ich von nichts anderem, als von meiner zerbrochenen Angelrute. Gut, sie hatte mir rein äußerlich nicht so gut gefallen, aber deshalb musste sie doch nicht zerbrechen!
Einige Zeit später rief ich meine Schwester an, um mich nach ihrem Befinden zu erkundigen.
„Danke, mir geht es einigermaßen gut. Du hast übrigens Post bekommen. Vom RAUBFISCH“, sagte sie.
„Wieso vom RAUBFISCH? Was wollen die denn von mir?“ fragte ich zurück.
„Keine Ahnung. Es ist ein großes dünnes Päckchen“, antwortete sie.
„Mach es bitte auf und sieh nach was drin ist. Wir fahren gleich noch mal raus. Du kannst mich ja heute Abend anrufen und mir sagen, was in dem Päckchen ist.“
Gegen 15 Uhr saßen wir wieder in unseren Booten. Achim und ich fuhren gezielt an die Stelle, wo wir vor 3 Jahren gleich 5 Hechte hintereinander gefangen hatten. Doch dieses Mal wollte kein Räuber an unsere Köder gehen.  Gegen 17.30 Uhr gaben wir auf und fuhren zurück.
Eine Stunde später meldete sich meine Schwester. Sie teilte mir mit, dass in dem Päckchen zwei Strömungsposen von Balzer wären. Und es läge ein Testbogen dabei.
Plötzlich fiel mir wieder ein, dass ich mich als Tester beworben hatte. Dass ich tatsächlich ausgewählt würde, damit hatte ich jedoch nicht gerechnet. Um so größer war meine Freude. 
Thomas konnte es sich nicht verkneifen mich zu fragen: „Sag mal, kaufst du dir eigentlich auch Angelsachen?“
Innerhalb kurzer Zeit hatte ich die Balzer Matrix Blue Feeder Rolle, die beiden Arnaud Wobbler von Illex und jetzt die Strömungsposen von Balzer zum Testen bekommen.
Außerdem hatte ich im Juni eine Rolle von Cormoran (Seacor Big Boss) gewonnen.
Abends schauten wir uns im Fernsehen das Fußballspiel San Marino : Deutschland an, welches Deutschland 13:0 gewann.

Oerlinghausen, den 28.09.2006

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