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Achim Kluck

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Uschis Angelberichte und mehr...

Angelerlebnisse 2009

Teil 1

Achim mit einem prächtigen Winterdorsch

Über Weihnachten und Neujahr zum Angeln an die Ostsee  - 21.12.08 bis 04.01.09

4 Tage vor Weihnachten kamen wir in Dahme an. Schon bei unserem letzten Besuch im Oktober hatten wir überlegt, wie wir dem Weihnachtsstress in diesem Jahr einmal entfliehen konnten. 
„Was hältst du davon wenn wir Weihnachten in Dahme verbringen?“ fragte Achim.
„Ich habe nichts dagegen wenn wir das Weihnachtsfest nicht zuhause sind, aber nach Dahme? Ich weiß nicht. So kuschelig ist die Ferienwohnung nun doch nicht. Und wenn es draußen regnet und stürmt, dann sitzen wir in der kleinen Bude und schauen uns im Minifernseher die Wiederholungen im Fernsehen an.“
„Ach komm! Dann machen wir es uns dort schön“, antwortete Achim.
Für die wärmere Jahreszeit war die Wohnung ja ausreichend, dann konnte man sich auch auf die kleine Terrasse setzen, doch was, wenn das Wetter nicht mitspielte?
„Lass uns erst einmal nach Lanzarote fliegen. Wenn wir wieder zurück sind können wir es uns ja noch überlegen ob wir nach Dahme oder anderswohin fahren.“
Als wir am 16. November wieder erholt und braun gebrannt zurück im kalten Deutschland waren gefiel mir der Gedanke unsere schöne Wohnung gegen schon bald wieder gegen eine „zweckmäßig“ eingerichtete Ferienwohnung zu tauschen überhaupt nicht.
Wenn ich schon die Feiertage nicht zuhause sein würde, dann wollte ich aber in eine Ferienwohnung, die mir einiges an „Luxus“ bot.
Heike und ihr Lebensgefährte wollten mit uns gemeinsam Sylvester feiern und hatten im Internet eine Ferienwohnung gefunden, die ihren Ansprüchen entgegen kam. Allerdings sollte diese 78 € pro Tag kosten. Als ich Achim davon erzählte meinte er: „Ich zahle doch nicht für 14 Tage über 1200 €. Dafür kann ich auch 14 Tage nach Lanzarote fliegen.“ Und weiter: „Was hältst du davon, wenn wir uns einen 22“ LCD-Fernseher kaufen und ihn mit nach Dahme nehmen? Es gibt schon welche für unter 300 €. Außerdem könnten wir einen DVD -Player mitnehmen und wenn schlechtes Wetter ist die Filme anschauen, die wir noch nicht gesehen haben.“
„Dann nehme ich aber auch unsere Kaffeemaschine mit. Die in der Ferienwohnung ist erstens zu klein und zweitens hat sie keine Warmhaltekanne. Und den kleinen künstlichen Tannenbaum ebenfalls. Ich nehme an, dass Heiligabend keine Restaurants aufhaben werden, d.h. wir müssen uns selber etwas zu essen machen. Wir könnten ja Racelette machen. Das müssen wir dann ebenfalls mitnehmen.“
„Du kannst mitnehmen was du möchtest“ meinte Achim zufrieden darüber, dass ich mich
mit dem Gedanken über Weihnachten tatsächlich in Dahme zu sein anfreundete.

Und so kam es, dass wir am Samstag, den 20. Dezember an die Ostsee fuhren.
Die Fahrt verlief ohne Stau, so dass wir schon gegen 9 Uhr in Neustadt waren, wo wir uns im Angelladen gleich mit Watt- und Seeringelwürmer eindeckten und für Heiligabend ein Boot mieteten. Für Samstag, Sonntag und Montag war stürmisches Wetter vorhergesagt worden. Erst ab Dienstag sollte es besser werden.
Als wir unsere „Mitbringsel“ und das übrige Gepäck ausgeladen hatten fuhren wir nach Grube um einzukaufen. Es war zwar trocken, aber der Wind war sehr stark. Wind ist etwas, dass ich überhaupt nicht mag.
Auf der Rückfahrt zur Ferienwohnung erwähnte Achim, dass er abends zum Angeln an den Strand wollte. Das gefiel mir überhaupt nicht.
„Wir haben ablandigen und dazu noch stürmischen Wind. Da brauchst du es erst gar nicht zu versuchen“ antwortete ich und hoffte sehr, dass Achim es sich bis zum Abend noch überlegen würde.
Da wir beide etwas müde waren legten wir uns für ein Stündchen schlafen. Als ich wach wurde hatte der Wind noch etwas zugelegt. Ich hoffte stark, dass Achim es sich nun überlegen und aufs Angeln verzichten würde. Doch ich irrte mich. Kaum war Achim angezogen, ging er zum Auto und holte die Ruten.
„Was machst du da?“ fragte ich ihn. „Willst du wirklich bei dem starken Wind angeln?“
„Klar doch. Es regnet und schneit immerhin nicht. Das bisschen Wind macht nichts.“
Innerlich knurrend zog ich meine dicken Thermosachen an. „Ich werde aber nicht angeln. Ich komme mit und schaue dir zu.“
Gegen 18 Uhr setzen wir uns ins Auto und fuhren bis zum Parkplatz in der Nähe des Vereinshauses des ansässigen Angelvereins.
Der Wind blies vom Land her. Zum Angeln waren es einfach unmögliche Bedingungen, aber Achim hatte kein Einsehen. Er wollte es unbedingt probieren. Natürlich biss an diesem Abend kein Fisch an. Nach 2 Stunden packten wir unsere Sachen und stiegen wieder ins Auto.

Sonntag, 21. Dezember
Wir schliefen in dieser Nacht wie die Toten, was sicher an der vielen frischen Luft gelegen hatte. Gegen Mittag machten wir einen Spaziergang auf der Promenade. Der Wind hatte immer noch nicht nachgelassen und wehte aus Südwest. Wir gingen bis zum Oldenburger Graben und kehrten dann um. In der „Milchbar“ aßen wir zu Mittag.
Mündung des Oldenburger Graben in die Ostsee in Dahme
Mündung des Oldenburger Graben in die Ostsee in Dahme
Mündung des Oldenburger Graben in die Ostsee in Dahme
Die Schleuse und das Schöpfwerk  in Dahme
Mündung des Oldenburger Graben in die Ostsee in Dahme
Am späten Nachmittag rief Achim zuerst bei Ute und dann bei Michael an. Ute war gerade draußen, sagte uns ihr Ehemann. Sie wollte zurückrufen. Mit Michael konnten wir auch nicht sprechen, da er gerade mit dem Auto unterwegs war. Er wollte sich am nächsten Tag bei uns melden.

Montag, 22. Dezember
Die Sonne schien und es war relativ mild bei Temperaturen um die 9° C. Aber der Wind blies noch kräftiger als die Tage zuvor. Wir nutzten das „schöne Wetter“ aus und fuhren nach Kellenhusen wo wir einen Strandspaziergang machten.
Uschi am Strand bei Kellenhusen
Strand bei Kellenhusen
Der Strand bei Kellenhusen mit Blick auf Dahmeshöved
Wattwurmhaufen am Strand
Wattwurmhaufen am Strand
An einigen Stellen war der Strand voller Miesmuscheln. „Schatz, schau mal. Die sind teilweise noch geschlossen. Die könnten wir doch fürs Angeln mitnehmen“, rief ich Achim zu.
Leider hatte ich keine Plastiktüte dabei, wo wir die Muscheln rein tun konnten, aber dann fand Achim einen Gummihandschuh, den jemand verloren hatte. Als dieser voller Muscheln war kehrten wir um, stiegen ins Auto und fuhren zurück nach Dahme.
Uschi hat wieder eine Miesmuschel gefunden
Am Strand bei Kellenhusen
Am Strand bei Kellenhusen
Auch an diesem Tag gingen wir in die „Milchbar“ um etwas zu essen.
Anschließend gingen wir in das Kurhaus um uns umzusehen. Wir wollten es gerade wieder verlassen als Michael anrief. Nach seiner Knieoperation ging es ihm immer noch nicht gut. Daher konnte er mit uns keine Bootstour machen.
Wenig später rief Ute an.  Sie sagte, dass sie gegen 15.30 Uhr zum Angeln nach Dahme kommen würde. Auch Andreas aus Neustadt, den wir bisher nur aus dem Anglerboard kannten, wollte kommen. 
„Oh je“, dachte ich. „Noch ein paar Verrückte mehr, die bei diesem Sturm angeln wollen.“
Etwas ungehalten zog ich mir meine dicken Klamotten an und stieg ins Auto. Achim, dass konnte man ihm anmerken, freute sich aufs Angeln.
Wir fuhren bis zur Schleuse und stellten unseren Wagen neben Utes Auto ab. Dann gingen wir zum Strand. Andreas war ebenfalls schon dort. Wir begrüßten einander und bauten dann unsere Ruten auf. Ute und Andreas angelten jeder mit 2 Ruten, wir dagegen nur mit je einer. Statt einer Brandungsrute hatten wir beide unsere Feederruten gewählt. Achim angelte mit seiner 4,50 m langen und ich mit meiner 3 ,90 m langen. Zum ersten Mal benutzte ich meine Cormoran Seacor 8 Pi Rolle, die mit einer 35er Schnur bestückt war. Auf den Haken am gekauften Brandungsvorfach zog ich einen Wattwurm. Achim wählte ein Brandungsvorfach mit zwei Haken auf die er ebenfalls Wattwürmer zog.
Ute, Andreas und Uschi warten auf den ersten Biss....
Ute beim Brandungsangeln am Strand von Dahme
Uschi bei ihrem ersten Brandungsangeln
Der Wind pfiff immer noch sehr kräftig und ich war der festen Überzeugung, dass kein Fisch beißen würde. Wir standen eine zeitlang zusammen und plauderten. Ich schaute immer wieder zu meiner Rute herüber, konnte aber bei den hohen Wellen und dem Wind nicht ausmachen, ob sich an meiner Rute etwas tat.
„Schatz, ich gehe mal an meinen Platz und hole die Rute rein um zu kontrollieren, ob der Wurm noch am Haken ist“, sagte ich zu Achim.
Ich nahm die Rute in den Hand und drillte. „Da hängt sicher Kraut am Haken“, dachte ich bei mir, als ich die Schnur einholte. Im Schein meiner Kopflampe erkannte ich jedoch dass ein Fisch am Haken hing. „Das gibt’s nicht! Da hängt ein Fisch dran. Eine Platte“ rief ich Achim zu. Nun kam auch er an seinen Platz und holte ebenfalls seine Rute rein, damit ich wieder auswerfen konnte. Auch er hatte, ohne dass er davon etwas bemerkt hätte, einen Platte am Haken. Und auch an Utes Rute hing ein Plattfisch. Damit hätte ich nun überhaupt nicht gerechnet! Welch eine Überraschung.
Na wer sagt es denn...Achim mit einem schönen Plattfisch
Wir blieben bis kurz nach 20.30 Uhr und fingen noch jeder einen Plattfisch. Wir legten sie später in den Kühlschrank, da wir sie am nächsten Tag essen wollten.

Dienstag, 23. Dezember
Es war ein relativ schöner Tag mit wenig Wind und auch Sonnenschein und ich bedauerte es, dass wir für den Tag kein Boot mehr bekommen hatten.
Gegen Mittag kauften wir die letzten Lebensmittel ein, die wir für unser Racelette benötigten. Danach machten wir unsere Ruten für die Bootsfahrt am anderen Morgen fertig. Wir beschlossen jeder 3 Ruten mit aufs Boot zu nehmen: zwei zum Pilken und eine zum Schleppen.
Immer wieder hörte ich mit den Wetterbericht an, aus dem ich nicht schlau wurde. Mal hieß es, es würde trocken sein, dann wieder wurde für den Vormittag Nieselregen gemeldet. Letzteres wollte ich auf keinen Fall! Es reichte mir schon, wenn es kalt war. Dann nicht auch noch Regen. So richtig begeistern konnte ich mich bei den angegebenen Wetterverhältnissen nicht für die kommende Bootsfahrt.
Am Abend schauten wir etwas fern. Es gab jedoch nichts Gescheites. Gegen 23 Uhr legten wir uns schlafen.

Mittwoch, 24. Dezember
Wir hatten den Wecker auf 5.30 Uhr gestellt, aber ich war wohl etwas nervös und wurde schon gegen 5 Uhr wach.
Vom Kopf her war ich relativ ruhig, aber mein Bauch sagte mir etwas anderes.
Um 7 Uhr saßen wir im Auto und fuhren nach Neustadt. Als es unterwegs zu nieseln anfing sank meine Laune auf Null. „So ein Scheiß, bei dem Wetter habe ich keine Lust zu angeln.“
„Na komm. Das hört sicher gleich auf“, meinte Achim.
Wir waren erst wenige Kilometer gefahren als ich einen Rehbock erblickte, der die Straße schon fast überquert hatte. Wir näherten uns ihm ganz langsam. Er blieb einen Moment stehen und schaute in unsere Richtung. Dann verschwand er im Gebüsch, wo die anderen, eine Rehkuh und ein Kitz, auf ihn warteten.
Als wir in Neustadt ankamen und das Boot bestiegen hatte es aufgehört zu regnen. 
„Wir machen den Laden um 12.30 Uhr zu. Ihr könnt aber länger draußen bleiben. Um 16.30 Uhr bin ich wieder am Laden. Wenn ihr vorher aufhören wollt, dann ruft mich auf den Handy an. Ich bin dann in 20 Minuten da“, meinte der Inhaber vom Anglertreff.
Langsam tuckerten wir aus dem Hafen. Als wir am hölzernen Steg vorbei kamen dachte ich ich würde meinen Augen nicht trauen.
„Schatz, hast du das gesehen? Das gibt’s doch nicht! Da steigt gerade jemand die Holztreppe rauf. Der ist nackt und hat in dem kalten Wasser gebadet. Oh je, ich wäre schon längst erfroren.“
„Nimm dir mal ein Beispiel an dem“, war die Antwort von Achim.
Was sollte das denn wieder heißen? Was konnte ich denn dafür dass mir kalt war. Schließlich war es ja auch saukalt!
Achim fuhr immer weiter die Bucht hinaus. Als ich schon zu knurren anfangen wollte, weil ich nicht wusste wohin er fahren würde, drosselte er den Motor. „Wollen wir es hier einmal probieren?“ fragte er endlich.
„Klar doch. Ich dachte schon du fährst bis nach Dänemark!“
Ich nahm meine Softpilkrute und suchte mir ein Vorfach aus der Mappe. Zuerst probierte ich es mit einem Pilker und zwei Twistern als Beifänger. Als sich nach einer längeren Zeit nichts tat wechselte ich die Rute. Ich wählte die kürzere Multitip-Rute und stecke auf die beiden Haken am Dorschvorfach Watwürmer. Aber auch das war vergebliche Mühe. Zwar meldete Achim ab und zu dass ein paar große Fische auf dem Echolot zu sehen waren, aber sie wollten unsere Köder nicht.
Bei diesem Schittwetter tut ein Becher heisser Tee richtig gut.
Wir holten unsere Ruten rein und fuhren zu einer anderen Stelle. Im Mai hatten wir dort zwar gut gefangen, aber wir waren nicht sicher, ob es auch dieses Mal so sein würde.
Der Himmel zog sich immer weiter zu und dann fing es auch noch zu regnen an. Ich schützte mich vor der Nässe indem ich die Pergola über meinen Kopf zog.
„Dann kannst du aber nicht angeln“, meinte Achim als er sah was ich tat.
„Ist mir auch egal. Ich friere schon genug und will nicht auch noch nass werden.“
„Wir fahren ein Stückchen weiter. Ich schleppe dabei“, antwortete Achim.
Mir war alles egal. Ich dachte nur wie man bloß so verrückt sein könnte bei Kälte und Regen mit dem Boot auf dem Wasser zu sein. Irgendwie schienen die Angler alle eine Macke zu haben. Wenn wenigstens die Fische beißen würden…
Es war schon fast Mittag und wir hatten immer noch keinen Fisch gefangen. Nicht einmal einen kleinen Hering!
Achim sah mein verbissenes Gesicht und meinte: „Schau mal. Es wird langsam heller. Gleich kommt die Sonne!“
Sonne? Wovon redet der denn? „Komm, lass uns zurück in den Hafen fahren. Heute tut sich sowieso nichts. Die Fische sind alle zur Weihnachtsfeier“ maulte ich.
„Wir probieren es noch einmal. Wenn dann nichts geht fahren wir langsam zurück.“
Ich nahm meine Rute und bestückte die Haken neu. Dann warf ich aus. Plötzlich klingelte Achims Handy. Während er seine Taschen nach dem Handy durchsuchte spürte ich plötzlich einen Ruck in der Rute.
Erstaunt schaute ich zur Spitze. Tatsächlich zitterte sie und neigte sich zum Wasser.
„Schatz!“ rief ich erfreut. „Ich habe einen dran!!!!“
Ich konnte gar nicht glauben was da gerade geschah. Ich hatte tatsächlich einen Fisch am Haken. Und das, wo ich doch gerade aufgeben wollte.
Voller Konzentration pumpte ich den Fisch nach oben. Und dann sah ich ihn im Wasser. Ein Dorsch! Ich hatte tatsächlich einen Dorsch am Haken!
„Hilf mir keschern. Meine Finger sind vor Kälte total taub!“ rief ich Achim zu.
Das tat er auch und schon bald lag der Meeresräuber im Boot. Es war kein Riese, aber ich war überglücklich endlich einen Dorsch gefangen zu haben.
Beim Schleppen bekamen wir diesmal leider keine Bisse
Na bitte.... ein Ostseedorsch im Kescher
Inzwischen schien sogar die Sonne. Vielleicht wurden die Bedingungen ja nun besser. Und tatsächlich! Wenig später fing auch Achim einen Dorsch. Nun bekam ich wieder Lust aufs Angeln. Da das Boot ein ganzes Stück abgetrieben war warf Achim den Motor wieder an und wir fuhren ein paar Meter zurück. Dann probierten wir es erneut an der gleichen Stelle wo wir unsere Fische gefangen hatten. Es dauerte auch nicht lange und wir hatten jeder einen weiteren Dorsch am Haken.
Achim mit einem kleinen Dorsch
Als es erneut zu regnen anfing blieben auch die Fische wieder weg. Wir wechselten die Stelle und fuhren zur Untiefentonne. Vielleicht, so hoffte ich, fingen wir hier ja nun auch noch ein paar Plattfische. Aber es tat sich nichts mehr. Statt Fische zu fangen fing ich vor Kälte furchtbar zu zittern an.
„Was ist los? Ist dir kalt?“ fragte Achim.
„Ne! Ich zittere vor Freude. Blöde Frage. Natürlich ist mir kalt. Meine Finger sind abgefroren. Ich habe mir heute sicher eine dicke Erkältung geholt.“
„Warum ziehst du nicht deine Handschuhe an?“
„Weil sie total nass sind. Die sind mir doch vorhin ins Boot gefallen. Und das ist voller Wasser“ schnaubte ich. „Bitte lass uns endlich Schluss machen und zurück in den Hafen fahren.“
Bin ich wirklich so ein Weichei, fragte ich mich. Wenn es nach mir gegangen wäre, dann wäre ich schon nach einer Stunde umgekehrt. Ich könnte mir etwas viel Schöneres vorstellen, als mir den Arsch abzufrieren und auch noch klitschenass zu werden.
Auf der Rückfahrt dachte ich nur noch an eine heiße Dusche.
Kurz vor der Hafeneinfahrt hielt Achim an und nahm die Fische aus. Sofort waren hunderte von Möwen zur Stelle.
Als wir endlich angelegt hatten war es schon 15.30 Uhr. Schnell brachte ich unsere Sachen zum Auto und setzte mich rein. Während Achim draußen stand und auf den Bootseigner wartete und wärmte ich mich im Auto etwas auf.
Nach und nach kamen auch die anderen Angler mit den Booten rein. Wie wir erfuhren hatten sie alle nicht viel gefangen.
Als wir endlich in Dahme waren stellte ich mich sofort unter die heiße Dusche während Achim die Fische zum Einfrieren  fertig machte.
Danach setzten wir uns an den Tisch auf dem wir das Racelette aufgebaut hatten  und ließen es uns schmecken.
 
Donnerstag, 25. Dezember
Am ersten Weihnachtstag fuhren wir bei leichtem Sonnenschein gegen Mittag nach Kellenhusen, wo wir ins Restaurant „Passat“ zum Essen gingen. Wir bestellten uns Rehbraten aus der Keule. Wie schon bei unseren letzten Besuchen schmeckte es hervorragend.
Nach dem Essen wollten wir eigentlich noch einen Spaziergang bis zur Seebrücke machen. Doch als wir das Restaurant verließen fing es zu regnen an. Aus einem Verdauungsspaziergang wurde es also nichts. Kurzentschlossen setzten wir uns ins Auto und fuhren zurück nach Dahme.
Wir sahen uns einen der mitgebrachten DVD-Filme an und legten uns nachmittags etwas aufs Ohr.
Unser kleiner Weihnachtsbaum und der 22 Zoll LCD Fernseher
Ich merkte Achim an, dass er wohl gerne an den Strand zum Angeln gegangen wäre, aber dazu war ich nun überhaupt nicht bereit. Ich hatte noch die Nase voll vom vorherigen Tag. Obwohl, na ja, als die Fische endlich bissen war ich ja gleich wieder vom Angeln begeistert. Aber die Windverhältnisse stimmten immer noch nicht. Und ich wollte nicht schon wieder draußen in der Kälte stehen und frieren. Da Achim alleine keine Lust zum Angeln hatte blieben wir an diesem Abend in der Ferienwohnung.

Freitag, 26. Dezember
Da das Wetter an diesem Tag trocken war machten wir am späten Vormittag einen Spaziergang zum Leuchtturm in Dahmeshöved. Wir gingen bei eisigem Wind am Strand entlang, wobei wir manches Mal über dicke nasse Steine klettern mussten.
Küste zwischen Dahme und Dahmeshöved
Im Hintergrund die Fehmarnsundbrücke
Uschi und die vielen Steine
Da musste Uschi ganz schön krakseln
Klare Sicht, im Hintergrund  Fehmarn und die Fehmarnsundbrücke
Je näher wir dem Leuchtturm kamen umso unbequemer wurde der Spaziergang. Ich wollte gerne auf der Straße weiterlaufen, aber es gab keine Möglichkeit den Strand zu verlassen. Erst als wir am Jugendheim ankamen ging ein Steg zur Straße hoch. Von dort waren es nur wenige Schritte bis zum Leuchtturm. Zu besichtigen war er auch dieses Mal nicht. Aber das hatten wir ja auch nicht vor gehabt.
Der Leuchtturm in Dahmeshöved
Der Leuchtturm in Dahmeshöved
Der Leuchtturm in Dahmeshöved
Uschi am FKK Strand in Dahmeshöved
Der FKK Strand in Dahmeshöved
Wir gingen am Leuchtturm vorbei bis zu der Stelle, wo wir vor 2 Jahren zum Watangeln gewesen und ich ins Wasser gefallen war. Den Möwen am Strand, so schien es mir, war auch kalt. Sie saßen aufgeplustert da und warteten wohl auf besseres Wetter.
Den Weg zurück zur Ferienwohnung gingen wir auf der Straße entlang.
Obwohl ich dick angezogen war, war ich froh, als wir endlich wieder in unserer warmen Stube waren.

Samstag, 27. Dezember
Gegen Mittag fuhren wir nach Grömitz zum Einkaufen. Mir gefiel der Kurort gut. Vor allen Dingen war dort viel mehr los als in Dahme. Wir suchten das dortige Angelgeschäft Kott auf. Es war zwar nur ein kleiner Laden, aber wir bekamen alles, was wir benötigten. Ich fragte die Verkäuferin, ob es in Grömitz einen Bootsvermieter gäbe. Sie gab uns eine Visitenkarte mit einer Handynummer von einem Bootsvermieter in Dahme. Es war jedoch nicht derjenige von der Pension Seeteufel. Zurück in Dahme klingelten wir bei Letzterem an und fragten, ob wir für den nächsten Tag ein Boot mieten könnten. Er verneinte mit den Worten: „Um diese Jahreszeit vermiete ich keine Boote. Vom Frühjahr bis Mitte November können Sie gerne ein Boot haben, aber jetzt ist es mir zu riskant.“ Wie es schien, hatte der Vermieter vom Angeln keine Ahnung. An diesem Tag war die Ostsee glatt wie ein Kinderpopo und wir wussten nicht, wo es da hätte ein Risiko geben können.
Bevor wir wieder in unsere Ferienwohnung fuhren gingen wir kurz auf die Seebrücke. Dort standen schon mehrere Angler. Ich nahm mein Handy aus der Tasche und schrieb meiner Tochter einen SMS: „Wir sind gerade auf der Seebrücke.“ Sie hatte mir erzählt, dass sie schon des Öfteren auf die Webcam geschaut hätte in der Hoffnung, uns dort einmal zu erblicken.
Als wir zurück zum Auto gingen kamen uns noch weitere Angler entgegen. „Das können wir knicken. Hier brauchen wir heute nicht angeln“, meinte Achim.
Wir waren gerade wieder in der Wohnung als sie anrief: „Wo seid ihr denn? Wir können euch nicht sehen. Wir kommen gerade vom Einkaufen zurück.“
Ich antwortete ihr, dass wir nicht mehr auf der Brücke seien. Aber wenn wir wieder dorthin gingen, würde ich ihr erneut eine SMS schicken.
Wir beschlossen am Nachmittag zum Angeln an den Strand zu gehen, und zwar an die Stelle, wo wir am Montag mit Ute und Andreas waren.
Ich bereitete uns etwas zu essen zu, anschließend schalteten wir den Fernseher ein. Plötzlich klopfte es an unserer Tür. Wer konnte das denn sein? Hier waren doch keine Leute. Oder war Hardy, der Vermieter der Wohnungen, früher als geplant gekommen?
Achim ging zur Tür und öffnete sie: „Das habe ich mir doch gedacht“, hörte ich ihn sagen. Im selben Moment schoss Asterix wie der Blitz in die Wohnung. Ich dachte ich träume! Da standen doch tatsächlich meine Tochter und ihr Lebensgefährte vor der Tür.
„Achim, kneif mich mal! Ich träume wohl!“
„Hallo Mutti. Nein, du träumst nicht. Wir sind es wirklich.“
Ungläubig schaute ich sie an: „Wir haben doch eben noch miteinander telefoniert. Wo kommt ihr denn jetzt weg?“
Heike grinste mich an: „Als wir deine SMS bekamen fuhren wir gerade durch Cismar. Ich dachte schon Willi hätte euch verraten, dass wir kommen und du hättest uns deshalb mitgeteilt wo ihr gerade seid.“
„Nein, Willi hat nichts gesagt. Wann habt ihr euch denn überlegt nach Dahme zu kommen?“ fragte ich weiter.
Sie antwortete, dass sie schon an Grischas Geburtstag, also Anfang Dezember, eine Ferienwohnung gebucht hätten.
So ein kleines Luder! Keine Silbe hatte sie verlauten lassen. Im Gegenteil. Als es feststand, dass wir nach Dahme fahren würden meinte sie, dass sie doch nicht mitkommen würden. Das Geld wollten sie für ihre Reise in die USA aufheben.
Und nun waren sie doch gekommen!
Als die beiden bzw. Drei sich auf den Weg in ihre Ferienwohnung machten zogen Achim und ich uns fürs Angeln am Strand an.
Um 16 Uhr bauten wir unsere Ruten auf. „Nun heißt es warten. Vor 18 Uhr beißen die Fische nicht“, sagte ich zu Achim.
Achim bei der Montage seines Brandungsvorfaches
Unser Angelplatz in der Nähe des Oldenburger Grabens
Doch es dauerte nicht einmal eine halbe Stunde, als die ersten Bisse kamen. Immer wieder glaubte ich einen Fisch am Haken zu haben, doch beim Reinholen merkte ich, dass ich mich getäuscht hatte. Lediglich die Würmer waren jedes Mal vom Haken gefressen. Nach einer guten Stunde hatte Achim das Glück und konnte endlich den ersten Plattfisch drillen und auch landen. „Das wird aber auch Zeit“, bemerkte ich. „Ständig zittert die Rutenspitze, doch wenn wir die Montage reinholen ist keiner dran.“
Achim konnte eine schöne Platte landen
Mir war kalt und ich ging am Strand rauf und runter. Plötzlich neigte sich meine Rutenspitze zum Wasser. Ich wollte sie schon in die Hand nehmen, als es wieder ruhig wurde. Einen Moment später sah ich wieder wie die Spitze wackelte. „Verdammt. Dich hole ich jetzt rein“, sagte ich. Ich nahm die Rute hoch und schlug an. Im selben Moment schimpfte Achim mit mir: „Was machst du da? Du kannst doch nicht anschlagen! Stell dir mal vor, da hängt ein dicker Dorsch dran. Den verlierst du doch sofort. Es reicht, wenn du Kontakt zum Blei aufnimmst und den Fisch dann ruhig ans Ufer drillst.“
Natürlich hing kein Fisch am Haken. Hatte ich wieder mal etwas falsch gemacht? Hatte Achim tatsächlich recht, wenn er sagte, ich solle nicht anschlagen?
Ich bestückte die Haken mit frischen Watwürmern. Als ich erneut eine Meldung hatte sagte ich: „Ich gehe nicht an die Rute. Sollen sie doch die Würmer runter fressen.“
Achim sah mich perplex an: „Wenn die Spitze sich schon so weit zum Wasser biegt, dann musst du rangehen. Du siehst doch, dass da einer angebissen hat.“
Erst beim dritten Mal nahm ich die Rute hoch und fing zu drillen an. Aber auch dieses Mal hing wieder kein Fisch am Haken.
Achim holte seine Montage rein um sie zu kontrollieren. Dann sah er, dass sich ein kleiner Plattfisch den Wurm reingezogen hatte. Natürlich freute ich mich, dass Achim seinen zweiten Fisch gefangen hatte, aber ich war auch wütend, dass ich immer noch keinen gelandet hatte. Der kalte Nordostwind blies nur sehr leicht. In der Dunkelheit konnten wir auf dem Wasser die Lichter von mehreren Booten ausmachen.
Und noch eine schöne Flunder
Bis 20 Uhr hatten wir immer wieder Bisse, doch plötzlich waren die Plattfische wie vom Erdboden verschwunden. Nichts tat sich mehr.
„Wenn die Platten nicht mehr beißen kommen die Dorsche“, hatte Andreas gemeint. Doch es fragte sich nur, wann sie denn kommen würden. Bis Mitternacht würde ich auf keinen Fall angeln, sagte ich zu Achim.
„Machen wir auch nicht. Wir probieren es noch eine Weile. Wenn sich dann nichts tut, dann packen wir zusammen.“
Es tat sich leider wirklich nichts. Nichts einmal eine Meldung konnten wir ausmachen. Durchgefroren packten wir nach einer guten Stunde unsere Sachen ein.

Sonntag, 28. Dezember
Als ich aufwachte musste ich sofort an meine Schwester denken. An diesem Tag wäre sie 57 Jahre alt geworden. Ich vermisste sie sehr.
Gegen Mittag rief bei meiner Tochter an und fragte, ob sie und ihr Freund mit uns zum Essen nach Kellenhusen fahren wollten. Sie verneinte und so fuhren Achim und ich alleine hin.
Wir setzten uns in das Restaurant „Passat“. Nach dem Essen gingen wir auf der Promenade spazieren. Es war ein ungewöhnliches Wetter. Links sah der Himmel total verhangen aus, rechts schien die Sonne zwischen den Wolken hindurch.
Die Seebrücke in Kellenhusen
Die Seebrücke in Kellenhusen
Die Seebrücke in Kellenhusen
In Kellenhusen auf der Promenade war mehr los als in Dahme. Auch hatten viel mehr Geschäfte geöffnet.
Nach einer guten Stunde stiegen wir ins Auto und fuhren zurück nach Dahme.

Montag, 29. Dezember
„Bitte lass und doch einmal nach Fehmarn fahren. Vielleicht kann ich mir dort eine dicke Jacke kaufen. Und Fäustlinge. In den Fingerhandschuhen friere ich. “
„Können wir machen“, antwortete Achim.
Wir fuhren durch Burg und dann weiter zum Südstrand. „Schau mal dort. In dem Haus hat ein Bekannter von mir eine Ferienwohnung mit Blick auf den Yachthafen. Vor mehr als 15 Jahren habe ich dort einmal 14 Tage Ferien gemacht“, sagte ich zu Achim. „Damals habe ich aber noch nicht geangelt, wie du weißt. Aber mit dem Fahrrad über die Insel fahren war auch schön.“
Wir fuhren zurück nach Burg, stellten unseren Wagen auf einem großen Parkplatz ab und stürzten uns in die Menschenmasse.
Die Hauptstrasse in Burg auf Fehmarn
Das Rathaus von Burg auf Fehmarn
In einigen Geschäften schaute ich nach einer Winterjacke und Faust-Handschuhen, aber ich fand nichts Passendes.  Bevor wir zurück nach Dahme fuhren gingen wir noch in das Fischrestaurant Störtebecker und bestellten uns ein Dorschgericht.
Wir waren gerade wieder in unserer Ferienwohnung als Ute anrief. Sie fragte, ob wir am anderen Morgen um 10 Uhr am Boot sein könnten.
„Meinst du wirklich, dass wir morgen mit dem Boot rausfahren können? Es ist doch sehr windig“, sagte Achim zu Ute.
Doch Ute war zuversichtlich. Also sagten wir zu.
Wir hatten noch immer ablandigen Wind, der aus Südwest kam. Das Wetter war also immer noch nicht zum Angeln geeignet. Trotzdem zogen wir uns am späten Nachmittag um, suchten unsere Angelsachen zusammen und fuhren zum Strand. Das Auswerfen der Ruten erwies sich bei dem starken Wind als recht schwierig. Und auch einen Biss konnte man kaum ausmachen, da die Rutenspitze ständig in Bewegung war.
Nachdem wir beim kontrollieren des Köders sehr viel Kraut mit aus dem Wasser zogen wechselten wir die Stelle, d.h. wir gingen einige Meter weiter nach links, wo wir hofften, dass es dort besser sei. Aber dem war nicht so. Auch hier hing ständig Kraut auf der Schnur. Resigniert packten wir unsere Sachen zusammen und brachten sie zum Auto.
„Was machen wir jetzt? Wollen wir aufhören oder es einmal auf der Seebrücke probieren?“ fragte Achim.
„Von mir aus können wir noch auf die Seebrücke“ antwortete ich.
Wir nahmen jeder nur eine Rute mit. Die anderen ließen wir im Auto liegen. Wie schon erwartet, standen dort sehr viele Leute. Manche hatten mehr als 3 Ruten im Wasser, so dass wir kaum Platz fanden. Im Schein der Brückenbeleuchtung montierten wir die Watwürmer auf den Haken. Der Wind blies so kräftig, dass wir höllisch aufpassen mussten, dass unsere Sachen nicht wegflogen. Wir probierten es eine gute Stunde lang erfolglos. Dann holten wir unsere Ruten rein und machten uns auf den Weg zur Ferienwohnung.

Dienstag, 30. Dezember
Es war kurz nach 8 Uhr als Ute sich am Telefon meldete. „Könnt ihr um 9 Uhr am Boot sein? Ich bin schon da.“ Achim antwortete: „Wir sind gerade erst aufgestanden und müssen erst noch unsere Angelsachen packen. Bis 9 Uhr schaffen wir es nicht. Es klappt frühestens um 9.30 Uhr.“
Als wir bei Ute ankamen lag das Boot  noch oben am Strand. Da sie keinen Trailer hatte musste das Boot vom Strand ins Wasser gezogen werden. Alleine schafften wir es nicht, trotz der Fender, die zur Hilfe unter das Boot gelegt wurden. Wir baten drei Männer, vermutlich Russlanddeutsche, deren Boot schon am Wasser lag, ob sie uns helfen könnten. Gemeinsam zogen die Männer zusammen mit Achim und Ute das Boot über den gefrorenen Sand ans Wasser.
Geschafft, Utes  Boot liegt am Wasser. Die anderen 3 Angler wassern gerade ihr Boot.
Anschließend ging  Ute zurück zum Auto und zog ihre Wathose an. Als sie wieder bei uns waren stiegen Achim und ich ins Boot. Ute ging mit der Wathose ins Wasser und schob es ein Stück weiter ins Wasser. Doch bevor es richtig im Wasser lag rief sie plötzlich: „So ein Mist! Jetzt habe ich meine Wathose kaputt gemacht.“ Tatsächlich hatte sie ein großes Dreieck oberhalb des Knies. Mit der kaputten Wathose konnte sie das Boot nun nicht weit genug ins Wasser schieben, sonst wäre sie klitschenass geworden.
Gleich kann es los gehen....ob wir wohl raus kommen?
Also stieg sie ebenfalls ein. Ute und  Achim stachen mit dem Paddel in den Sand und versuchten so das Boot vom Ufer weg zu bewegen. Nach großer Anstrengung gelang es ihnen auch. Doch der Wind trieb das Boot nicht aufs Meer hinaus sondern seitwärts. Und schon saßen wir auf einer weiteren Sandbank fest. Erneut versuchten Achim und Ute das Boot von der Sandbank weg zu bewegen. Achim hat wohl etwas zu stark gedrückt, denn plötzlich brach das Paddel durch. „Ach du Scheiße! Ach das noch!“ stöhnte Ute. „Wir müssen das Boot drehen und dann starte  ich den Motor. Vielleicht kommen wir ja dann raus.“
Als das Boot in der richtigen Position lag sprang jedoch der Motor nicht an. Sie versuchte es immer wieder bis auf einmal der Spiegel abbrach. „Das war’s dann“, meinte Achim.
Inzwischen waren wir gut 250 m von der Stelle abgetrieben, an der wir das Boot zu Wasser gelassen hatten. So gut es ging brachten wir das Boot mit dem kaputten Paddel in die Nähe des Ufers. Dann stiegen wir aus und holten erst einmal unsere Sachen aus dem Boot.
So sehr wir uns auch bemühten, wir bekamen das Boot nicht von der Stelle bewegt.
Ute holte ihr Handy aus der Tasche und rief einige Bekannte an. Endlich hatte sie jemanden an der Strippe, der zusagte zu kommen und zu helfen, das Boot an Land zu ziehen.
Derweil ging Achim kurz entschlossen mit seinen Wanderschuhen ins Wasser und zog das Boot am Ufer entlang, während Ute und ich es immer wieder in die Brandung drückten. Als wir es endlich dort hatten wo es hin sollte war auch schon der Bekannte von Ute da. Gemeinsam schoben wir das Boot den Strand hinauf.
Achim hatte an diesem Tag keine Thermostiefel angezogen, da sein Futteral das letzte Mal beim Brandungsangeln nass geworden war. Nicht nur seine Wanderstiefel waren voller Wasser, auch die Strümpfe und die lange Unterhose hatten sich voll gesogen.
Ute entschuldigte sich, dass aus der geplanten Bootsfahrt nichts geworden war. Durch die ganze Aufregung hatte sie Bauchschmerzen bekommen. Wir verabschiedeten uns voneinander und fuhren zurück in unsere Wohnungen.
Gegen Mittag rief  Heike an und fragte uns, wie die Bootsfahrt gewesen sei. Ich erklärte ihr, warum wir schon wieder in der Wohnung waren. Als sie sagte, dass sie und Grischa nach Heiligenhafen fahren wollten, antwortete ich, dass wir das ebenfalls vorhätten. Wir wollten  für Achims Thermostiefel ein neues Futteral zu kaufen. Eine Stunde später fuhren wir zusammen nach Heiligenhafen.
Dort angekommen gingen wir ein wenig bummeln. In einem Kaufhaus kaufte ich mir eine neue dicke Thermojacke. Anschließend gingen wir in den Angelladen „Baltic Kölln“. Leider hatten sie in Achims Größe keine Einlage für seine Stiefel. Wir erstanden lediglich eine neue Tasche für Wobbler, Blinker etc. und für mich ein paar dicke, wasserfeste Handschuhe. Bevor wir zurück nach Dahme fuhren gingen wir in ein Restaurant und aßen dort zu Mittag.
Wir verabredeten uns für den Abend, um ins „Kum Luk“ zum Schnitzelessen zu fahren.
Wir waren gerade wieder in unserer Ferienwohnung, als es  an unserer Terrassentür klopfte. Draußen stand Pucky mit einer Flasche Kräuterschnaps in der Hand. Er war mit seiner Familie vor einer guten Stunde angekommen. Während wir uns bei einem Bier unterhielten kamen auch Gaisie und seine Frau zu uns rüber.
Gegen 18.30 Uhr gingen Achim und ich zu Heike. Sie warteten schon auf uns. Mit Heikes Auto fuhren wir zum „Kum Luk“. Die Schnitzel waren wie immer sehr groß und sehr lecker!

Mittwoch, 31. Dezember
Als wir morgens einkaufen fuhren zeigte das Thermometer -5° C an. Die beiden Supermärkte in Grube waren rappelvoll. Man konnte meinen, es gäbe ab dem nächsten Tag keine Lebensmittel mehr!
Am Nachmittag ruhten wir uns für den Abend aus. Achim lag auf dem Sofa und schlief ein wenig. Ich saß am Laptop und schrieb. Plötzlich  bekam ich immer stärker werdende Bauchschmerzen. Als die Schmerzen 2 Stunden später in die Schulter ausstrahlten war mir klar, dass sich mein Gallenstein bewegte. Als Achim wach war legte ich mich mit einer Wärmflasche auf dem Bauch aufs Sofa. Immer wieder bekam ich Bauchkoliken. Mit solchen Schmerzen konnte ich nicht aus dem Haus. Ich schaute ich in meiner Reiseapotheke nach und fand  Gott sei Dank noch ein einzelnes Buscopan-Zäpfchen, dass auch schon bald seine Wirkung zeigte. Ansonsten wäre der Tag für mich gelaufen.
Um 18Uhr gingen wir nach Heike um zusammen mit Grischa, seiner Schwester und ihrem Freund zu essen. Unser Racelette –Gerät hatten wir schon den Tag vorher zu ihnen gebracht. Um 21.30 Uhr gingen wir zurück in die Wohnung, wo wir uns für das Oper-Air Festival auf der Promenade umgezogen.
Am Haus des Gastes spielte eine 3-Mann-Band. Wir gingen am Restaurant „Zum Goldenen Anker“, welches zwar gut gefüllt war, aber die Gäste saßen an den Tischen und es kam keine richtige Stimmung auf. Nebenan in der „Milchbar“ war dagegen der Bär los. Ich wollte mich draußen an einen Tisch setzen, aber Achim zog mich weiter zum Bierstand.
Je näher es auf Mitternacht zuging, desto mehr Leute kamen. Viele hatten einen Rucksack dabei, in dem Feuerwerksraketen steckten.
Gegen 23 Uhr kamen auch Heike und die anderen. Bloß unsere Angelkollegen ließen sich nicht blicken. Um Mitternacht stießen wir mit einem Glas Sekt auf das Neue Jahr an.
Das Feuerwerk war einfach toll und dauerte über eine halbe Stunde. Schöner hätten wir es zuhause gar nicht haben können.
Um 1.15 Uhr machten wir uns auf den Rückweg zur Wohnung. Unterwegs kamen uns Pucky und Gaisie entgegen. Sie wollten so spät noch auf die Promenade und fragten uns, ob wir mit kommen wollten. Wir lehnten dankend ab.

Donnerstag, 1. Januar 2009
Ich stand gegen 10 Uhr auf, während Achim noch ein bisschen liegen blieb. Obwohl wir den Abend vorher relativ viel getrunken hatten, ging es uns ganz gut. Keiner von uns hatte einen Kater. Wahrscheinlich lag das auch an der vielen frischen Luft, die wir genossen hatten.
Gegen Mittags schien sogar die Sonne. Danach zogen Wolken auf. Es war zwar sehr kalt, aber es fror wenigstens nicht.  An die Bootsfahrt am anderen Tag wollte ich gar nicht denken. Ich fürchtete mich vor der Kälte auf dem Wasser.
Am späten Nachmittag montierten wir unsere Ruten für die Bootsfahrt und packten all die anderen Sachen die wir benötigten schon einmal ins Auto.  
Gegen 18 Uhr gingen wir zu meiner Tochter wo wir gemeinsam die Reste vom Racelette aßen. Anschließend sahen wir uns den Zeichentrickfilm „Horton hört ein Hu“ an (gefiel mir persönlich überhaupt nicht!).

Freitag, 2. Januar
Um 7 Uhr fuhren wir zusammen mit unseren beiden Angelkollegen Pucky und Gaisie nach Neustadt. Durch unsere Begegnung mit Rehen bei unserer letzten frühmorgendlichen Fahrt nach Neustadt fuhren wir sehr vorsichtig. Kurz hinter Dahme sahen wir wieder einen Rehbock am Straßenrand stehen.
Als wir in Neustadt ankamen schneite es leicht. Auch die Boote waren von einer dünnen Puderzuckerschicht überzogen. Bevor wir unsere Sachen ins Boot brachten befreiten wir die Sitzflächen erst einmal vom Schnee. Ich hatte mir aus unserem Auto ein Thermokissen mitgenommen, was sich später als sehr klug heraus stellte. So bekam ich wenigstens keinen kalten Po. Es reichte schon, dass meine Hände froren. Die Tagestemperatur lag den ganzen Tag über bei – 3° C.
Gegen 8 Uhr verließen wir den Hafen und fuhren in Richtung Haffkrug. Pucky und Gaisie hatten ein eigenes Boot gemietet und fuhren neben uns her.
Unsere beiden Boote bei der Hafenausfahrt. Langsam wird es hell.
Am Haffkrug, so hatte uns der Inhaber vom Angelladen gesagt, würde zurzeit gut gefangen, meistens beim Schleppen. Nachdem wir ein ganzes Stück gefahren waren, montierten wir einen Wobbler an die Rute und schleppten ein Stückchen. Aber wir bekamen keinen Fisch an den Haken. Nach einer Weile holten wir die Ruten wieder rein und fuhren weiter. Als Achim auf dem Echolot einen Fischschwarm ausmachte, stoppte er den Motor. Wir nahmen unsere Softpilkruten und montierten ein Watwurmvorfach. Als Gewicht wählten wir einen 80 g Pilker. Auf die Haken steckten wir Watwürmer. Dann ließen wir die Köder ins Wasser. Doch die Fische interessierten sich nicht für unsere Köder. Wir probierten es fast eine halbe Stunde lang, dann holten wir unsere Ruten rein und fuhren zu einer anderen Stelle.
Kurz nachdem wir wieder unsere Köder ausgeworfen hatten biss ein schöner Dorsch bei Achim an.
Achim beim Drill
Achim tötet den gefangenen Dorsch durch Genickbruch
Achim mit einem schönen Dorsch
20 Minuten später hatte er den nächsten am Haken. Bei mir tat sich einfach nichts. Immer wieder steckte ich frische Würmer auf den Haken, obwohl mir meine Finger fast erfroren waren! Da das Boot inzwischen eine ganze Strecke abgetrieben war startete Achim den Motor und wir fuhren an die Stelle zurück. Kurz nachdem unsere Köder im Wasser lagen biss der 3. Dorsch an – natürlich wieder auf Achims Köder!
Und wieder hat ein kapitaler Dorsch den Köder verschlungen...
Geschafft, der Dorsch zappelt im Kescher
Geschafft, der Dorsch zappelt im Kescher
Wieder ein schöner Ostseeleopard so um die 60 cm!
Achim freut sich trotz der eisigen Temperatur über den kapitalen Fang.
Langsam wurde ich frustriert. Da hielt ich es schon in dieser eisigen Kälte ohne zu murren aus, doch meine Köder wollten die Fische nicht. Dabei hatte ich alles genauso gemacht wie Achim: gleiche Rute, gleiche Rolle, gleiches Vorfach, gleicher Köder. Und ich angelte auch auf der gleichen Seite wie er. Woran konnte es bloß liegen, dass sich kein Fisch für meinen Köder interessierte?
Unsere Meeresruten
Pucky und Gaisie warten auf den Biss. Sooo gross soll der nächste Fisch erden!
Uschi schaut auf ihre Rutenspitze...es muss doch endlich mal ein Dorsch anbeissen!
Nachdem wir an eine andere Stelle gefahren waren angelte ich zeitweise sogar mit 2 Ruten gleichzeitig. Ich wollte unbedingt einen Dorsch fangen. Oder auch einen Wittling. Welcher Fisch war mir inzwischen egal, Hauptsache es biss endlich mal einer an. Doch an diesem Tag tat mir kein Fisch den Gefallen. Als wir den Hafen ansteuerten hatte Achim 6 Dorsche und 1 Wittling gefangen. Natürlich freute ich mich für ihn, aber ich war auch stinksauer, dass ich selber nicht einen einzigen gefangen hatte.
Achim mit einem schönen Wittling. Gebissen hat er in 20 Meter Tiefe auf einen Sandaal.
Noch bevor wir wieder im Hafen waren filetierte Achim die Fische noch auf dem Boot.
Ich war froh, als ich endlich im Auto sitzen und mich aufwärmen konnte. Manchmal, so dachte ich, bin ich doch ganz schön bekloppt! Friere mir den Arsch, pardon Popo, ab und fange nicht einmal einen Fisch. Es war ja nicht so, dass die Fische überhaupt nicht beißen wollte. Wenn wir beide keine gefangen hätten, dann wäre das ja okay gewesen. Aber dass nur ich keinen einzigen an den Haken bekam, das wurmte mich doch ganz schön.
Unsere beiden Angelkollegen waren zwar nicht so erfolgreich wie Achim, aber sie haben wenigstens jeder einen Dorsch gefangen.
In der Ferienwohnung angekommen stellte ich mich zuerst einmal unter die heiße Dusche.
Da wir den ganzen Tag kaum etwas gegessen hatten gingen wir abends ins Akropolis, ein griechisches Restaurant. Als wir ankamen war es dort sehr voll. Wir dachten schon, dass wir wieder gehen müssten, da brachte uns der Ober an einen Tisch im Rauchersaal. Ich war froh, dass ich zum Rauchen nicht wieder vor die Tür gehen musste. Das Essen schmeckte vorzüglich. Und auch das Drumherum gefiel uns. Es war bestimmt nicht das erste Mal, dass wir dort zum Essen waren.

Samstag, 3. Januar
Unser letzter Urlaubstag war gekommen. Wir schliefen bis zum Mittag und packten dann unsere Sachen. Am späten Nachmittag gingen wir noch einmal zu Heike und Grischa. Auch sie waren schon am Packen, denn sie fuhren ebenfalls am anderen Tag nach Hause.

Sonntag, 4. Januar
Gegen 10 Uhr waren wir startklar. Im Radio hörten wir, dass in Nordrhein-Westfalen viel Schnee liegen würde. Und auch die Straßen seien teilweise glatt. Es waren schon mehrere Unfälle aufgrund der schlechten Witterung und Straßenverhältnisse passiert.
In Dahme war von schlechtem Wetter nichts zu merken. Im Gegenteil: Als wir losfuhren schien die Sonne vom strahlendblauen Himmel. Erst als wir hinter Hamburg waren wurde das Wetter schlechter. Aber die Autobahn war gestreut und wir kamen relativ schnell voran. Gegen 14.30 Uhr waren wir wieder in Oerlinghausen.

hier gehts weiter zum 2.Teil Angelerlebnisse 2009..........

Oerlinghausen, den 10.02.2009