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Achim Kluck

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Meine Ägyptenreise 1997

Teil 2

Vierter Tag

Flug nach Luxor

Heute begann unsere Nilkreuzfahrt. Wir flogen gegen Mittag von Kairo nach Luxor und brachten zuerst einmal unser Gepäck auf das Hotelschiff mit Namen MS Nil Romance, welches uns nun 7 Tage lang den Nil hinunter fahren sollte.

Hotelschiff MS Nil Romance.

Nachdem wir uns ein wenig in unserer Kabine und auf dem Schiff umgesehen hatten, trafen wir uns auf Deck zu einem Gläschen Bier bzw. Wein. Das Schiff legte schon bald ab und fuhr nilaufwärts nach Dendera, unserer ersten Station auf der Nilkreuzfahrt.

In Dendera angekommen gingen wir alle von Bord um uns ein wenig in der Stadt umzusehen.

Dendera

Mohammed hatte uns gleich zu Beginn der Reise vor bettelnden Kindern gewarnt, die von den Touristen ihren Bakschisch forderten. Ich habe, wenn ich unterwegs bin, immer ein paar Bonbons in der Tasche, so auch an diesem Tag. Wir schlenderten durch die staubigen Straßen und rochen an den herrlichen Gewürzen, als sich 2 Kinder neben mich stellten und mit großen Augen ansahen. Sie machten einen ärmlichen Eindruck und taten mir leid, so dass ich die Warnung Mohameds vergaß. Ich griff in meine Tasche und gab jedem ein Bonbon. Kaum war das geschehen, war ich von einer Heerschar Kindern umgeben. Wo sie alle herkamen, blieb mir bis heute ein Rätsel. Ich holte die letzten Bonbons aus meiner Tasche, warf sie ein Stück hinter mich und die ganze Schar rannte in Richtung Bonbons. Diesen Moment nutzte ich aus, um hinter meiner Gruppe herzulaufen und mich zu Mohammed zu gesellen. Doch die Kinder waren schon wieder neben mir. Erst als Mohamed sie auf arabisch ansprach und verscheuchte, wurden wir sie los. Nach dem interessanten Spaziergang in Dendera ging es zurück zum Schiff, wo wir alle gespannt auf das Abendessen warteten. Es gab jeden Abend ein gut schmeckendes und schön anzusehendes warm/kaltes Buffet, aber die Speisen schmeckten doch anders, als wir es gewohnt sind. Nicht jedem Magen sind sie bekömmlich, wie ich bald schon feststellen musste. Aber heute ging es mir noch sehr gut. Ich begab mich nach dem Essen auf’s Deck, suchte mir eine schöne Ecke um in dem Roman „Tod auf dem Nil“ zu lesen, den ich mir vor der Reise zuhause gekauft hatte. So war ich quasi hautnah am Geschehen dran.

 

Ortschaft am Nilufer

Sonnenuntergang auf dem Nil

 

Fünfter Tag

Der Hathortempel in Dendera

Heute morgen stiegen wir in einen anderen Bus um nach Dendera zu fahren. Es war die erste Tempelanlage, die wir auf unserer Nilkreuzfahrt besichtigten wollten und ich war schon bei diesem ersten Anblick von der Größe und Pracht überwältigt. Da ich mich schon seit meiner Jugend mit ägyptischer Mythologie beschäftigt und vor der Reise viele Reisebücher gelesen hatte, war mir vieles aus Büchern und auch aus Erzählungen von einem Freund, Dr. Siegfried Richter, der an der Uni Münster Ägyptologie und Koptologie studierte (und heute dort als Professor Vorlesungen hält) bekannt.

Hauptattraktion ist der am Wüstenrand gelegene Hathortempel. Hathor (s. Götterliste) ist die Gemahlin des Horus und war unter anderen die „Göttin der Liebe“. Ihr heiliges Tier war die Kuh, als die sie mitunter auch dargestellt wurde.

Hathortempel in Dendera
Skizze Tempel Dender

Dendra

Eintrittskarte Dendara Temple

Von den Griechen wurde Hathor mit Aphrodite gleichgesetzt. Der Tempel in seiner heutigen Form wurde während der griechisch -römischen Zeit errichtet. Auf den Tempelwänden finden sich die Darstellungen mehrerer römischer Kaiser.

Himmelsgoettin Nut  die taeglich Sonne gebiert, Dendera
Reliefe am Hathortempel Dendera
Gott Atum und Falkengott Horus

Der Tempelbezirk ist von einer teilweise erhaltenen Schlammziegelmauer umgeben. Innerhalb dieses Bereiches befinden sich zwei "Mammisi ", die mich besonders interessierten (Mammis ist ptolemäisch und bedeutete Geburtshaus). 

Mammis (ptolemaeisch) Hathor Tempel
Römisches Mammis (Geburtshaus)
Blick durch die Saeulen zum Mammis

Auch der Heilige See erweckte meine Aufmerksamkeit. In diesen stiegen einst die Priester zum rituellen Bad, bevor sie den Tempel betraten. Er zog mich magisch an und ich wagte es mich von der Reisegruppe loszulösen, dort hinzugehen und die Treppen in den Heiligen See, der heute ausgetrocknet und von Palmen bewachsen ist, hinabzusteigen.
Palmen im Heiligen See
Im Heiligen See

In das Heiligtum, das Sanktuarium selbst, durfte jedoch nur der Pharao. Während er sich dort aufhielt, musste die Priester und Familienmitglieder in der Vorhalle (Pronaos ) warten. Ebenfalls interessant fand ich auch das Römische Tor und den kleinen Isistempel. Es bestand die Gelegenheit auf das Tempeldach der Anlage zu steigen. Von dort hatte man einen tollen Blick zum römischen Mammisis.
Römisches Tor
Römisches Mammis
Isistempel Dendera

Blick vom Tempeldach

Innerhalb des heiligen Bezirkes befand sich einst ein so genanntes Sanatorium. In diesem wurden Kranke behandelt. Den inneren Bereich des Tempels schmücken Säulen, die den Kopf der Göttin oder das Sistrum, ein von ihr bevorzugtes Musikinstrument, darstellen. Im Tempel befinden sich unterirdische Krypten, in denen wohl einst die Kultgeräte aufbewahrt wurden. Interessant sind auch die Reliefs im Tempel, die die Grundsteinlegung des Tempels zeigen.

Säulenhalle im Hathortempel
Schwingen über der Scheintür
Steinsarkophage vor Tempelanlage Dendera
Thutmosis opfert der Goettin Nut

Vom Dach des Tempels hat man einen wunderschönen Überblick über die gesamte Anlage und die umliegende Landschaft. Der Heilige See (heute eine Palmenoase) ist von dort oben deutlicher erkennbar. Ebenfalls auf dem Dach des Tempels befindet sich ein Kiosk mit einer Gipskopie des heute im Louvre befindlichen Tierkreises von Dendera . Mehrmals im Jahr wurde das Götterbild der Hathor hierher gebracht, um bestimmte Riten zu vollziehen. Die Statue der Göttin „reiste“ auch einmal im Jahr zum Horustempel in Edfu , um ihren Gemahl zu „besuchen“.

Als wir wieder auf der MS Nil Romance ankamen war es noch hell, Ich zog mich schnell um und ging ich auf das Oberdeck um mich ein bisschen im Swimmingpool zu erfrischen.  Anschließend holte ich meine Kamera und wartete gespannt auf den Sonnenuntergang auf dem Nil. Ich habe schon einige am Meer erlebt, aber so schön wie hier, war noch keiner. Es war ein weiterer, unvergesslicher Augenblick auf dieser Reise, als die Sonne im Nil versank.

Sonnenuntergang am Nil

Sechster Tag

Als wir nach dem Frühstück das Hotelschiff verließen, stand ein Besuch der Tempelanlage in Karnak auf dem Programm.

Die weitläufige Tempelanlage von Karnak und auch die von Luxor liegen nahe bei einander und sind durch die Sphinxallee, die hier aber keine Löwen- sondern Widderköpfe tragen,  miteinander verbunden.

Eintrittskarte Karnak Temple
Sphinxallee, Karnak
Widderallee beim Tempel Sethos II

Den wenigsten Besuchern fällt auf, dass die Sphinxallee nicht in einer geraden Linie zu der Tempelanlage in Luxor führt, sondern macht einen Knick. Dieses ist keineswegs aufgrund von unordentlicher Arbeit oder irgendwelcher landschaftlichen Gegebenheiten geschehen, wie mancher Besucher meinen könnte, sondern sie ist absichtlich so geschaffen worden. Dahinter liegt ein tiefer mystischer Grund, der nur den Eingeweihten bekannt ist. Die Bauzeit für die Sphinxallee dauerte ca. 1500 Jahre!

Große Festhalle (Akhmenu) Amun-Tempel in Karnak
Zahlenhieroglyphen  an Tempelwand
Tempel Sethos II im Amun-Tempel
Obelisk der Hatschepsut am Amun-Tempel
Wandrelief im Amun-Tempel

Mit dem Bau des Reichstempels des Amun wurde bereits in der 12. Dynastie begonnen. Im Laufe von zwei Jahrtausenden hat dann eine Dynastie nach der anderen mit immer neuen Kultstätten und Monumenten zur Erweiterung Karnaks beigetragen. Es entstand ein umfassender Gottesbezirk, eine auf den ersten Blick verwirrende Verschachtelung von Tempeln, Toranlagen und Kolonnaden mit dem Heiligen See. Während der großen Prozessionen wurde eine Statue des Gottes Amun auf einer heiligen Barke vom Fluss her über die Widderallee transportiert.
Treppe in den Heiligen See im Amun Tempel Bezirk

Das Herzstück der Tempelanlage ist der Große Säulensaal mit 122 in 16 Reihen angeordneten Riesensäulen.

Papyruskapittel der 122 Saeulen der Hypostylhalle
Säule mit Hieroglyphen

Die Reliefs an den Säulen und an den Wänden zeigen u.a. Sethos I. und seinen Sohn Ramses II. beim Darbringen von Opfergaben und in der Schlacht. Das Kultritual vereinigte Priester, Angehörige der königlichen Familie und Adelige im Säulensaal, bevor der Pharao im Allerheiligsten (und nur er durfte ins Allerheiligste!) den Göttern sein persönliches Opfer darbrachte.

Sphinxallee, Karnak
Figuren am Eingang zum Tempel in Karnak
Statue Ramses II.

Hinter dem Säulensaal steht der aus Rosengranit gefertigte Obelisk der Hatschepsut. Außerhalb der wichtigsten Tempelanlage befindet sich ebenfalls der Heilige See, der hier jedoch nicht mit Palmen zugewachsen ist, sondern in dem sich auch heute noch Wasser befindet.
Obelisk der Hatschepsut am Amun-Tempel

Wie schon in Dendera reichte auch dieses Mal die Zeit, die wir dort verbrachten, nicht aus,  um sich wenigstens einige der Monumente etwas genauer anzusehen und dort zu verweilen. Ich wäre sehr gerne noch länger hier geblieben, um die Vergangenheit ein wenig mehr auf mich einwirken zu lassen, aber der Fachreiseleiter drängte zum Aufbruch. Jedes Mal, wenn die Führung zu Ende war, blieben uns höchstens 15 Minuten für Fotoaufnahmen. Eine viel zu kurze Zeit! Die anderen Reiseteilnehmer nutzten die Zeit für eine Erfrischung.

Kurze Pause der Gruppe in Karnak

Einige unserer Reiseteilnehmer, die nicht so gut zu Fuß waren und denen die Hitze zu schaffen machte, verließen die Anlage und fuhren die wenigen Meter bis zur Tempelanlage von Luxor mit dem Bus. Ich ließ es mir jedoch auch bei der glühenden Hitze Ägyptens nicht nehmen, die Sphinx- bzw. Widderallee entlang zu schreiten, um zum Amun-Tempel in Luxor zu gelangen.

Uschi vor Sphinx in Luxor
Sphinxallee in Luxor

Die Stadt Luxor trug im Laufe ihrer Geschichte viele Namen. El Uqsor, „Die Paläste“, heißt sie erst, seitdem die Araber Ägypten einnahmen. Zuvor kannten die Griechen den Platz als Thebai (nicht zu verwechseln mit dem Theben in Mittelgriechenland). Bis zum Beginn des Mittleren Reiches war Wase t, wie es damals hieß, ein aus Lehmhütten bestehendes Dorf. Mit der Vereinigung Ober- und Unterägyptens durch den Pharao Mentuhotep I. begann der kometenhafte Aufstieg zur Hauptstadt des neuen Reiches. Zur Blüte trug der Lokalgott Amun (s. „Götterliste“) bei, der im Mittleren Reich zum Reichsgott, zum Sonnengott Re, avancierte. Zu Ehren Amuns wurden Tempel, Kapellen und Säulenhallen errichtet. Mit seiner Gemahlin Mut und ihrem Sohn Chons , dem Mondgott, bildete Amun die göttliche Triade.

Innenstadt von Luxor
Nil bei Luxor / Foto von Erwin Purucker - www.aegypten-fotos.de
Säulen in der Luxor-Tempelanlage

Die Einwohnerzahl von Luxor beträgt ca. 50.000. An der Corniche, an der imposante pharaonische Bauwerke liegen, haben in Reihen die großen Kreuzfahrtschiffe festgemacht. Im Trab ziehen Pferde Touristenkutschen über den Asphalt. Jenseits des Nils liegen das Tal der Könige und die Bergen der Arabischen Wüste.

Luxor ist ohne Zweifel der Höhepunkt jeder Ägyptenreise, und das Nilstädtchen lebt seit zwei Jahrhunderten sehr gut vom Studientourismus. Nirgendwo sind Händler, Taxi- und Kutschenfahrer aufdringlicher als dort.

Der Tempel von Luxor

Echnatons Vater, Amenophis III., baute den Tempel in Luxor als Weihegeschenk für den Sonnengott-Schöpfer Amun-Re und für sich als Nachkomme Amuns. Sein Sohn hatte jedoch andere Ideen und ließ das Erbe verfallen. Es dauert nicht lange, bis dessen Nachfolger die alten Götter wieder einsetzten und den Tempel erweiterten. Das große Heiligtum von 195 m, liegt parallel zum Fluss. Der Haupteingang befindet sich im Norden am Ende einer Sphinxallee, die vom Karnak-Tempel nach dort führt, wie schon berichtet. Einer der beiden Obelisken, die ursprünglich vor der gewaltigen Toranlage, dem Pylon, standen, steht heute auf dem Place de la Concorde in Paris.

Kleine Pause vor Eingang Luxortempel
Kolossenpaar mit Horusfalke
Eigang Luxortempel
Wandrelief Streitwagen
Widderallee zur Tempelanlage
Wandmalerei Luxortempel
Eintrittskarte Luxor Temple

Die beiden Kollosalfiguren stellen Ramses II dar, der auch am Pylon als Kriegsherr verewigt ist. Doch der Tempel selbst wurde unter Amenophis III um 1350 v.Chr., also rund ein Jahrhundert früher, erbaut. Ramses verstand sich darauf, von seinen Vorgängern errichtete Monumente zu seinem eigenen Ruhm „umzugestalten“.

Ramseskolosse Luxor
Statue Ramses II
Uschi vor Sphinx in Luxor.

Im Säulensaal mit seinen 32 Säulen kommt Amenophis III doch noch zu seinem Recht: Reliefs zeigen ihn, wie er den Göttern opfert. Ein Prachtboulevard mit Gärten und zahlreichen Statuen des Pharaos führten zu dem knapp 3 km nördlich gelegenen Karnak-Tempel. Ungewöhnlich muten das Minarett und die Kuppel einer Moschee im ersten Säulenhof an. Sie wurde zu Ehren eines islamischen Heiligen aus dem 12. Jh., Abu el-Haggag, errichtet. Die Archäologen haben heute deshalb nicht mehr die Möglichkeit an die Säulen unter der Moschee heranzukommen, was einen erheblichen Verlust für die Geschichte bedeutet.

Moschee mit Minarette  im Säulenhof

Als wir an diesem späten Nachmittag zu unserem Schiff zurückkehrten, mussten wir es zuerst einmal suchen. In der Zwischenzeit hatten viele weitere Schiffe angelegt und unseres lag nun ein paar Meter weiter in der dritten Reihe. Das hieß, wir mussten, um zu unserem Schiff zu gelangen, zuerst durch zwei andere Hotelschiffe hindurchgehen, was aber auch sehr interessant war. Als wir uns auf die Suche nach unserem Schiff machten, sahen wir inmitten dieser Luxusschiffe ein Wrack im Wasser liegen. Es war kein besonders schöner Anblick, aber die Ägypter schien es nicht zu stören.
Nebeneinanderliegende Hotelschiffe
Hotelschiff mit Wrack

In der Kabine angekommen erfrischten uns erst einmal und ruhten wir uns etwas aus. Das Abendessen, welches wir heute sehr früh einnahmen, war wie immer gut.  Jedoch machte sich bei mir ein leichtes Bauchkneifen bemerkbar. Sollte der „kleine Pharao“, wie die Einheimischen hier eine Magen-Darm-Erkrankung nennen, im Anmarsch sein? Als unser Fachreiseleiter meine Unpässlichkeit bemerkte, „versorgte“ er mich sofort mit ein paar Tabletten, die er vom Schiffsarzt holte. Es sei ein „Wundermittel“ , das jeden Durchfall schon zu Beginn stoppt, meinte er. Da ich auf keinen Fall einen Ausflug verpassen wollte, nahm ich es brav ein, in der Hoffnung, dass es wirklich half.

Nach dem Abendessen gingen wir erneut nach Karnak, um auch dort an einer Sound & Light Show in deutscher Sprache teilzunehmen. Sie war ebenso beeindruckend, wie die Lichterschau an den Pyramiden. In der Dunkelheit angestrahlt, gaben die riesigen Säulen einen anderen Eindruck wider als am Tage.
Eintrittskarte Sound & Light in Karnak

Siebter Tag

Heute fuhren wir nach West-Theben um das Tal der Könige und Königinnen zu besichtigten. Trotz der Tabletten hatte sich mein Bauchweh nicht gebessert. Im Gegenteil, es war noch etwas schlimmer geworden. „Hoffentlich halte ich die Tagestour durch“, dachte ich für mich. Nichts könnte schlimmer sein, als in Ägypten krank zu werden und an den Besichtigungen nicht teilnehmen zu können. Ich ließ keinem merken, wie es mir gesundheitlich ging und betete nur im Stillen, alles gut zu überstehen, was mir aber auch gelang.

Da es in Ägypten in dem Jahr, wo ich es bereiste, wieder viele Anschläge auf Touristen gab (s. das Massaker vor dem Ägyptischen Museum) fuhren aus Sicherheitsgründen vor und hinter unserem Bus Polizeiwagen her. Als wir zum Tal der Könige abbogen, standen dort ebenfalls viele Polizisten und auch Soldaten, von denen wir sorgfältig kontrolliert wurden, bevor wir ins Tal der Könige fahren durften.

Theben-West/Tal der Könige/Tal der Königinnen

Gleich am Eingang zum Tal der Könige fallen einem sofort die beiden Memnonkolosse am Rande der Kornfelder auf. Sie erhielten ihren Namen von Memnon, dem trojanischen Held, mit dem die Griechen fälschlicherweise die Sandsteinkolosse identifizierten. Die jeweils 800 t (!) schweren Sitzfiguren König Amenophis‘ III. sind das einzige, was von seinem Tempel übriggeblieben ist. Sie bewachten einst seinen Totentempel. In der Antike gaben die Kolosse mysteriöse Klagelaute von sich – aus Bruchspalten, die unter dem Einwirken von Feuchtigkeit und Hitze zu „singen“ begannen

Kolosse am Eingang zum Tal der Könige

Als wir bei den Kolosse ankamen, hielt unser Bus jedoch nicht an, sondern fuhr sofort weiter. Erst auf der Rückfahrt machten wir dort eine Pause, um uns die Memnonkolosse fotografieren und aus der Nähe ansehen zu können.

Während der 18., 19. und 20. Dynastie diente das Tal der Könige als königliche Nekropole. Ramses IX ist der letzte Pharao, der im Biban e-Moluk begraben wurde. Die alten Ägypter nannten diesen Ort Ta sekhet aat („die grüne Weide“). Die Straße, die sich heute im Tal entlangschlängelt, folgt demselben Weg, auf dem damals die königlichen Särge zur letzten Ruhestätte des Pharaos getragen wurden. Nach der Beisetzung des Pharaos kehrte man nicht mehr zu dessen Grab zurück, weil der Königskult in den Schlössern der Millionen Jahre praktiziert wurde, die in der Ebene zwischen den thebanischen Felsen und dem Nil lagen.

Die Eingänge zu den Gräbern waren nicht versteckt, sondern gut sichtbar. Die „Nekropolenpolizei“ wachte daher nicht nur über die Zugangsstraßen zum Tal, sondern kontrollierte auch die Grabeingänge regelmäßig, um sicherzustellen, dass die beim Begräbnis angebrachten Siegel unberührt waren. Diese Vorsichtsmaßnahmen stellten sich jedoch als unwirksam heraus, denn es gab, wie zahlreiche Papyrusschriften aus dieser Epoche berichten, in der 20. Dynastie viele Grabschändungen und Plünderungen. Deshalb brachten die Priester die Leichname vieler Pharaonen (auch Ramses II.) in ein geheimes „Versteck“ bei Deir el-Bahari oder Biban el Muluk („Tore der Könige“), aus. Diese berühmte Schlucht wird von einem spitzen Berg, die "thebanische Krone", beherrscht.

Das Tal, in dem das „Versteck“ lag, geriet dann Jahrhunderte lang in Vergessenheit, bis zu Ptolemäerepoche, als die ersten griechischen und römischen „Touristen“ nach Ägypten kamen.

Tafel Einfahrt zum Tal der Koenige
Eintrittskarte The Valley of the Kings

Auf der westlichen Seite zeichnet sich das so genannte westliche Tor oder Tal der Affen ab, in dem nur zwei Pharaonen beigesetzt wurden: Amenophis III und Eje. Das Tal wird vom Berg el Qurn, auch Thebanischer Gipfel genannt, beherrscht, dessen dreieckige Form an eine Pyramide erinnert: Vermutlich war es ein geographisches Element wie der Thebetanische Gipfel (später mit der Schlangengöttin Mertseger identifiziert), welches die Pharaonen der 18. Dynastie dazu bewogen hatte, diesen Ort zu wählen, der als letzte Ruhestätte außerdem den Vorteil hatte, schwer zugänglich und deshalb gut geschützt zu sein.

Im Tal der Könige wurden bisher 70 in Fels gehauene Pharaonen-Gräber entdeckt, lediglich zwanzig enthielten jedoch den Leichnam eines Herrschers. Viele Gräber wurden von den Arbeitern schon während des Baus aufgegeben, da die Stelle im Felsen ungeeignet war, andere wiederum wurden für Mitglieder der königlichen Familie benutzt. An den Grabwänden sind weder Szenen aus dem täglichen Leben noch geschichtlich-biographische Episoden dargestellt, sondern ausschließlich die Welt des Jenseits und die beschwerliche Reise des Pharaos, der nach Überwindung zahlreicher Hindernisse in das Reich des Osiris eingeht.

Das berühmteste Grab wurde 1922 geöffnet: das Grab des mit ca. 19 Jahren verstorbenen Tut-anch-Amun. Die Särge aus Gold und die immensen Grabbeigaben des unbedeutendsten Pharaos lassen erahnen, was Räuber aus den Grabstätten großer Pharaonen plündern konnten. Leider konnten wir das Grab Tut-anch-Amun nicht besichtigen, da es gerade für Besucher nicht zugänglich war. Doch es gab genügend andere, ebenfalls überwältigende Grabanlagen, die ebenfalls einen Besuch wert waren. Um in einige dieser Gräber zu gelangen, muß man teilweise zuerst einen steilen Aufstieg auf sich nehmen. Am Eingang angekommen geht es dann ganz tief in die Felsenkammern hinab.
Eingang zum Grab Tut Anch Amun

Die Grabkammer des Grabmals Ramses‘ IV., die mit Texten aus dem Pfortenbuch beschriftet ist, beherbergt in ihrer Mitte einen fast drei Meter großen Granitsarkophag, der mit Szenen aus dem Jenseits verziert ist. Das Grab misst 66 Meter und hat einen einfachen Grundriss. Ein langer Gang führt durch ein kleines Vorzimmer in die Grabkammer. Dieses ist das einzige Grab, von dem uns ein zeitgenössischer Plan erhalten ist: Ein Papyrus, auf dem der Baugrubenentwurf deutlich zu sehen ist. Er stammt vermutlich aus dem Besitz eines königlichen Architekten und wird heute im Ägyptischen Museum in Turin aufbewahrt.

Wir besichtigten im Tal der Könige u.a. das Grab Ramses VII. Ramses VII war der Sohn von Ramses VI, aber sonst ist nur wenig über seine siebenjährige Regierungszeit bekannt. Zeugnisse belegen, dass Ägyptens Macht und Einfluss während dieser Zeit ständig abnahm. Der Name von Ramses VII wurde an Bauwerken in Tell el-Yahudia, Memphis, Karnak und Elkab gefunden. Papyri und Ostraka deuten an, dass seine Herrschaft eine Zeit der Misswirtschaft und hohen Preise war.

Ramses VII wurde in KV 1 bestattet, bisher jedoch konnte keine Mumie als die seine identifiziert werden.

Eingang zum Felsengrab Ramses VII.
Figuren aus der Sonnenliternei
Göttinnenszene  Grab Ramses VII
Wandmalerei in  Sargkammer Ramses VII
Der falkenköpfige Sokar hält eine geflügelte Schlange fest

Bisher wurden nur Könige in diesem Tal bestattet, als Pharao Thutmosis I. diese 1700 Jahre alte Tradition brach. Er hatte die plötzliche und unvorhergesehene Entscheidung getroffen, sein Grab vom Todestempel zu trennen und seinen Leichnam, anstatt in einem prunkvollen Denkmal, an einen geheimen und unzugänglichen Ort zu bestatten. Ineni , sein Chef-Architekt, grub in einem einsamen Tal eine Grube, indem er eine steile Treppe in den Fels haute und das Grab unten unterbrachte, nach einem Schema, das von allen nachfolgenden Pharaos befolgt wurde. Ineni wollte die Geheimhaltung seines Unternehmens bezeugen und ließ auf die Wand der Totenkapelle folgenden Satz einhauen: " Ich allein habe über den Bau des Felsengrabs seiner Majestät gewacht. Niemand hat etwas gesehen, niemand hat etwas gehört". Dieser letzte Satz ist kaum glaubwürdig. Es ist sicherlich wahrscheinlicher , dass die Arbeiter, die notwendigerweise dort arbeiteten, Kriegsgefangene waren und nach der Beendigung der Arbeit beseitigt wurden.

Erst 1995 wurde im Tal der Könige das Grab der Söhne Ramses‘II.,  des größten aller Pharaonen, entdeckt und täglich enthüllt die Wüste neue Sensationen.

Auch wenn im Tal der Könige keine großen Schätze zu bewundern sind, gibt es mehr als genug zu sehen. Die trockene Wüstenluft hat die Grabdekorationen erstaunlich gut erhalten – lebendige Darstellungen von Ritualen und Alltagsszenen sind zu sehen. All die schönen Seiten des Lebens, die dem Pharao auch nach seinem Tod erhalten bleiben sollten, sind hier versammelt: Fischen, Jagen, Diener, das Einbringen der Ernte, ja selbst Spiele in der Freizeit. In einigen Grabkammern kann man noch den Granitsarg des Pharaos sehen. Die sorgfältig restaurierten Mumien der Könige sind heute im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt.

Das besterhaltene Grab im Tal der Königinnen gehört der Königin Nefertari, der jung verstorbenen Frau Ramses‘ II. Kein Grab hat schönere Malereien und leuchtendere Farben.
Zum Schutz des Grabes, dass wie alle anderen vom Verfall bedroht ist, werden täglich nicht mehr als 100  Besucher eingelassen.

Figuren aus der Sonnenliternei
Bunte Hieroglyphen in Sargkammer
Pharaozeichnung
Blinder Harfenspieler Grab Amenhotep
Totengericht aus dem Totenbuch der Taherit
Geflugelte Goettin Maat
Trauerzug aus dem Totenbuch des Ani

Nachdem wir wieder unseren Bus bestiegen hatten, fuhren wir zum Hatshepsut-Tempel. Auf der Fahrt dorthin hielten wir dann zuerst einmal am Eingang des Tales an, um eine Fotopause zu machen. Es ergab sich endlich die Gelegenheit, die riesigen Kolosse aus der Nähe zu betrachten und zu fotografieren.

Memnonkolosse im Tal der Könige

Ebenfalls im Tal der Könige befindet sich der Hatshepsut-Tempel. Mit ihrem Totentempel setzte sich die Königin, die anstelle ihres Stiefsohnes in Ägypten regierte und sich selbst zum Pharao erhob und die wahrscheinlich einem Mordattentat zum Opfer fiel, ein unvergleichliches Denkmal. Der Bau, der Hatshepsuts Mumie aufnehmen sollte, erhebt sich in drei in den Hügel gehauenen säulengeschmückten Terrassen. Dieser Terrassentempel bildet eine Einheit mit seinem natürlichen Hintergrund, dem Kalksteinmassiv. Als wir dort ankamen, war die Tempelanlage gerade eingerüstet und zu einer riesigen Bühne umfunktioniert worden, denn 14 Tage später sollte dort die Oper Aida aufgeführt werden. 

Hatschepsuttempel
Eintrittskarte Tomb of Pabasa
Vorbereitung zur Auffuehrung der Oper  Aida
Negerfiguren fuer Oper Aida
Hatschepsutfigur
Innenraum Hatschepsuttempe

Das Bild der Königin, welches auf der mittleren Terrasse zu sehen ist, wurde von ihren Nachfolgern Thutmosis III und Amenophis IV. systematisch an den Reliefs, die ihre Geburt und ihre Expedition nach Punt (Somalia) schildern, ausgemeißelt.

Wandmalerei Hatschepsuttempel
Tempelhof Hatschepsuttempel
Tongefaesse im Vorhof des Hatschepsut-Tempels
Sonnenscheibe mit Schwingen ueber der Tür
Zerstoerte Figur an Tempelwand
Schräge Wand Nebentempel
Innenhof Hatschepsuttempel

Ramsesseum

Ramses II unterwarf Nubier und Libyer, besiegte die Hethiter und verewigte sich in den 67 Jahren seiner Regentschaft quer durch Ägypten mit und in Monumenten. In dieser mächtigen Anlage befand sich sowohl der Totentempel als auch die Residenz Ramses II. während seiner rituellen Besuche auf dem Westufer des Nils. Die heute zerbrochen am Boden liegende Kolossalstatue des Pharaos aus schwarzem Granit war 17 m hoch und wog 1000 Tonnen. Am Eingang des Totentempels zeigen Innenreliefe Kriegsszenerien, Kampfwagen, Angriffe der Hethiter und den Pharao mit seinem Generalstab

Eintrittskarte R’Mose

Die Osirislegende

Im alten Ägypten war der Osiriskult von großer Bedeutung. Die Pilger kamen von weit her und gaben in Abydos viel Geld aus. Nach den ältesten Mythen wurde der Fruchtbarkeitsgott von seinem Bruder, dem Wüstengott Seth, ermordet und in einer Kiste in den Nil geworfen. Aber die Priester änderten die Geschichte und ließen Seth die Körperteile des Osiris in alle Himmelsrichtungen verstreuen. Auf diese Weise landeten der Kopf in Abydos, die Wirbelsäule und der Penis in Busiris und Menden (im Nildelta) und ein Bein auf der Insel Philae bei Assuan.

Unsere Rückfahrt zum Hotelschiff verlief, wie auch die Hinfahrt, ohne Zwischenfälle. Da uns bis zum Abendessen noch ein wenig Zeit blieb, fuhren einige von uns noch einmal nach Luxor um zu bummeln und einzukaufen. Wir gingen u.a. in ein Geschäft, wo Antiquitäten und Papyrus verkauft wurden. Der Verkäufer erklärte uns, wie Papyrus heute und damals hergestellt wurde. Die Papyruspflanze wurde aufgeschnitten und in Wasser gelegt. Die nun weichen Blätter wurden kreuz und quer aufeinandergelegt und gepresst. Ich suchte mir von den an der Wand hängenden Papyrus ein relativ günstiges aus und ließ es mit meinem Sternzeichen und Namen bedrucken.

Papyrus mit Hieroglyphe und Sternzeichen fuer Ursula
[Teil 1] [Teil 2] [Teil 3]

 

 

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