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Achim Kluck

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Die Pyramiden

An sie denkt man natĂŒrlich als erstes, wenn man „Ägypten“ hört: an die drei Pyramiden bei Gizeh. Sie stehen ca. 10 km sĂŒdwestlich von Kairo in der Libyschen WĂŒste. Am bekanntesten ist die Pyramide, die dem Pharao Cheops zugeschrieben wird. Sie wird auch die Große Pyramide genannt und soll in der 4. Dynastie um 2690 v.Chr. erbaut worden sein. Ihre GrundflĂ€che hat fast 230 m SeitenlĂ€nge und eine Höhe von 137,50 m (damals waren es 146,60 m). Sie wurde aus ca. 6,5 Mio. Tonnen Kalkstein aus dem Mokattam-Gebirge bei Kairo erbaut, was etwa 2.300.000 Steinquadern Ă  2,5 Tonnen entspricht. Die GrundflĂ€che betrĂ€gt rund 5,3 Hektar, der Böschungswinkel wieder 51°52'. Ein aufsehenerregendes PhĂ€nomen ist ihre einzigartige geometrische Eigenschaft, daß ihre Höhe zu ihrem Umfang im gleichen VerhĂ€ltnis steht wie der Radius zum Umfang eines Kreises. Anders ausgedrĂŒckt: das VerhĂ€ltnis ist 1:2 Pi. Diese Tatsache regt immer wieder zu neuen Spekulationen an. Wir wissen es bis heute nicht, ob dies Absicht war oder ob es sich nur um einen Zufall handelt.

 Das Innere der Cheopsypyramide ist recht verzweigt. Allem Anschein nach wurden die PlĂ€ne wĂ€hrend der Bauarbeiten mindestens zweimal geĂ€ndert. Der auf den nördlichen Himmelspol ausgerichtete Eingang fĂŒhrt ĂŒber eine Passage unter die OberflĂ€che des Plateaus. Hier wurden zunĂ€chst eine Kammer erbaut, deren Fertigstellung jedoch aufgegeben wurde. Vermutlich lag dies an den unzumutbaren Arbeitsbedingungen, da hier kaum Sauerstoff hingelangte. Statt dessen entschied man sich dafĂŒr, diese Kammer in das Pyramideninnere zu verlegen und baute vom Eingangsstollen aus einen neuen Gang, der nach ca. 40 m in eine horizontale Passage ĂŒbergeht, die zu einer weiteren Grabkammer fĂŒhrt. Sie ist unvollendet geblieben und wird – ohne Grund – als die „Königinkammer“ bezeichnet. Von dieser Kammer aus fĂŒhren zwei sogenannte „LuftschĂ€chte“ in das Innere der Pyramide. Forschungen mit Hilfe eines Roboters durch R. Gantenbrink ergaben jedoch, daß sich am Ende des sĂŒdlichen Schachtes eine Art TĂŒr befindet, die jedoch bis heute nicht geöffnet wurde. Somit dĂŒrfte es sich hier nicht wie bisher angenommen um LuftschĂ€chte handeln. Die Menschheit darf gespannt sein, was sich tatsĂ€chlich hinter dieser TĂŒr befindet!

 Eine weitere Änderung der Ursprungsplanung lĂ€ĂŸt sich beim Ba der Großen Galerie erkennen. Sie geht in einen horizontalen Gang ĂŒber, der zur Königskammer im Zentrum der Pyramide fĂŒhrt. Drei FalltĂŒren oder besser gesagt, drei als „Fallgatter“ funktionierende Steine schĂŒtzen die Grabkammer am oberen Ende der Galerie vor unerwĂŒnschten Besuchern. Die Königskammer selbst ist ein schmuckloser, kahler Raum, in dem sich an der Westseite ein einfacher Granitsarkophag befindet. Er muß bereits wĂ€hrend des Baus hierher gebracht worden sein, da es nicht möglich gewesen wĂ€re, ihn nachtrĂ€glich durch die schmalen GĂ€nge der Pyramide zu transportieren.

 Die Cheopspyramide ist von drei kleineren Pyramiden umgeben, in denen Verwandte und hohe Beamte bestattet wurden. Weiterhin findet man in Reihen ausgerichtete Mastaben.

Die Pyramide des Pharaos Chephren steht auf einer leichten Anhöhe und wirkt deshalb grĂ¶ĂŸer als die Pyramide seines Vaters Cheops. In Wirklichkeit ist sie jedoch 10,20 m kleiner als die Große Pyramide und erreicht somit eine Höhe von 136,40 m. Die GrundkantenlĂ€nge betrĂ€gt 216 m, der Böschungswinkel ist mit 52°20' etwas steiler. Zum Pyramidenkomplex gehört ein Totentempel an der Ostflanke, der durch einen Weg mit dem beeindruckenden Taltempel verbunden ist – und natĂŒrlich der Sphinx, ein ĂŒberlebensgroßes Abbild des Pharaos, ĂŒber das in letzter Zeit viele Spekulationen bezĂŒglich seines Alters in die Welt gesetzt wurden.

 Das Innere der Chephrenpyramide ist recht einfach gehalten. Der Zugang ist wie ĂŒblich nach dem Himmelspol ausgerichtet. Ein Gang fĂŒhrt zu einer Grabkammer am Boden des Bauwerks. Es gibt zusĂ€tzlich einen zweiten Zugang ein StĂŒck weiter nördlich unter dem Pflaster des Pyramiden-Vorplatzes. Der AusgrĂ€ber Giovanni Battista Belzoni fand 1818 in der Grabkammer einen schönen Granitsarkophag. Doch enttĂ€uscht mußte er feststellen, daß die GrabrĂ€uber wieder mal schneller waren. Da das Innere der Cheopspyramide recht komplex ist, vermutete man auch hier noch weitere GĂ€nge und/oder Kammern. Darum ließ man das Bauwerk mit Hilfe spezieller Strahlen „röntgen“. Doch die MĂŒhe war vergeblich.

 Die kleinste der drei Pyramiden bei Gizeh wurde von Pharao Mykerinos (Menkaure) gebaut. Sie wirkt im Vergleich zu ihren VorgĂ€ngern klein und unauffĂ€llig. Die GrundkantenlĂ€nge betrĂ€gt gerade mal 108 m. Insgesamt erreicht die Mykerinospyramide eine Höhe von 70 m. Es ist gleichzeitig die letzte Pyramide, die in dieser Epoche gebaut wurde. Alle weiteren Pyramiden sind mit den drei Giganten nicht zu vergleichen. Ansonsten unterscheidet sich auch dieses Bauwerk nicht großartig von denen seiner Vorfahren. Drei Grabkammern existieren im Felsuntergrund. Ein blinder Gang, der von der oberen Kammer ausgeht, wird als Änderung des ursprĂŒnglichen Bauvorhabens gesehen. Colonel Howard Vyse fand hier im Jahre 1837 in der zweiten Kammer einen Basaltsarkophag, der eine Mumie enthielt. Sie ist heute im Britischen Museum in London zu bewundern.

Die Pyramide wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in grĂ¶ĂŸter Eile erbaut, denn einige Blöcke blieben unbehauen und auch der Toten- und der Taltempel sind von minderer QualitĂ€t. Den Grund hierfĂŒr findet man in einer Inschrift, die davon berichtet, daß Mykerions Sohn Schepseskaf das Bauwerk vollenden ließ.

 Zu den bekanntesten sieben großen Pyramiden des Alten Reiches zĂ€hlt auch die Stufenpyramide.

König Djoser ist der eigentliche „Erfinder“ der Pyramiden. Neu war nicht nur die Form, auch das Material war revolutionĂ€r. Zwar wurden bereits in Teilen frĂŒherer GrĂ€ber Steine genutzt, doch hier wurde erstmals ausschließlich Stein verwendet. Imhotep, sein Bauherr, unterstĂŒtzte ihn tatkrĂ€ftig und wurde spĂ€ter sogar als Gott verehrt.

UrsprĂŒnglich wurde eine gewaltige Grabkammer gebaut, die aus zwei Stockwerken bestand. Um diese Mastaba zog man schließlich eine 10 m hohe Mauer, die ein Areal von 554 x 277 m umschloß. ZunĂ€chst wurde die Mastaba allseitig um 3 m, dann um weitere 8,5 m erweitert. Dann wurde sie erneut um 3 m angebaut. Die spĂ€tere Form der Pyramide zeichnete sich jedoch erst ab, als Imhotep Mastaba auf Mastaba setzte, bis schließlich eine Höhe von ca. 60 Metern erreicht war, die aus sechs Stufen bestand. Der Grundriß maß jetzt 125 x 110 m. Unterirdisch verlaufen SchĂ€chte und Stollen. Die „echten“ sind jedoch von denen, die GrabrĂ€uber angelegt haben, kaum zu unterscheiden. In diesen Stollen wurden die Familienmitglieder bestattet. Von Djoser selbst fand man nur einen mumifizierten linken Fuß.

 Die Stufenpyramide ist jedoch nur Mittelpunkt einer riesigen Grabanlage, die Djoser erbauen ließ. So befindet sich dort auf der SĂŒdseite das SĂŒdgrab, dessen genaue Funktion nicht ganz geklĂ€rt ist. Dieses Grab Ă€hnelt dem in der Pyramide, wobei besonders die Grabkammer RĂ€tsel aufgibt. Sie besteht aus Rosengranit. Die WĂ€nde sind blau gekachelt und mit Darstellungen des Pharaos bedeckt. Sogar ein Sarkophag ist vorhanden. Dieser ist jedoch nur 1,60 m lang, also viel zu klein, um einen ausgestreckten Körper aufzunehmen. Zudem hĂ€tte der Leichnam durch eine 80 x 40 cm weite Öffnung eingefĂŒhrt werden mĂŒssen. Möglicherweise wurden hier die Eingeweide des Pharaos bestattet. Dies aber ist reine Spekulation.

 Im Osten der Pyramide befindet sich ein GebĂ€udekomplex, wobei es sich hier um Scheinbauten handelt. Ebenso findet man hier den Sedfest-Hof mit drei Pavillions, die jedoch nur ScheineingĂ€nge besitzen. Das Haus des Nordens und das Haus des SĂŒdens sind zwei grĂ¶ĂŸere GebĂ€ude innerhalb des Komplexes, deren Sinn bis heute nicht klar ist. Der ganze nördliche Bereich ist noch unter Schutt, Sand und Geröll begraben und könnte fĂŒr die ArchĂ€ologen und Ägyptologen so manche Überraschung bereiten.

 Die erste „echte“ Pyramide – zumindest sollte sie eine werden – ist die Pyramide von Meidum. Sie gilt als Werk Snofrus, dem BegrĂŒnder der 4. Dynastie. Kurt Mendelssohn vermutet, daß beim Bau der Pyramide ein verheerendes UnglĂŒck geschah, weshalb das Bauwerk zusammengestĂŒrzt ist. Grund fĂŒr diese Baukatastrophe könnte der steile Steigungswinkel gewesen sein. Heute ist uns nur eine Art Turm erhalten geblieben. Hier findet man zum ersten Mal den klassischen Pyramidenkomplex, der seither immer in Ă€hnlicher Form gebaut wurde. Die Anlage selbst hat einen Eingang in der Nordwand. Auf der Ostseite befindet sich eine kleinere Nebenpyramide. Eine Art Damm fĂŒhrt zum Taltempel, der per Schiff erreichbar war. Eine weitere Neuerung ist die Lage der Grabkammer, die sich statt in einem Schacht im Pyramidenkörper selbst befindet. Die Grabkammer war leer und enthielt nicht einmal einen Sarkophag, was zu der Überlegung gefĂŒhrt hat, daß hier nie ein BegrĂ€bnis stattgefunden hat. Eventuell wurde Snofrus in einer seiner beiden weiteren Pyramiden beerdigt.

 Die beiden anderen Pyramiden Snofrus befinden sich in Dahschur. Nach lĂ€ngerem Streit der Gelehrten geht man heute davon aus, daß die Knickpyramide die Ă€ltere der beiden ist. Sie erhielt ihren Namen aufgrund der merkwĂŒrdigen Änderung des Böschungswinkels von 54 auf 43 Grad, der zu vielen Spekulationen Anlaß gibt. Diese Maßnahme verminderte die Höhe der Pyramide von ursprĂŒnglich 135 auf 101 m bei einer KantenlĂ€nge von 190 m. Der deutsche Ägyptologe Ludwig Borchardt (1863 – 1938) hat die Theorie aufgestellt, daß man diesen Knick einfĂŒgte um schneller fertig zu werden. Eine gĂ€ngige Theorie von Kurt Mendelssohn spricht dagegen von einer Katastrophe der Pyramide von Meidum, die infolge des steilen Böschungswinkels zusammengestĂŒrzt sein soll und weshalb man hier einen niedrigeren Winkel wĂ€hlte, damit sich die Katastrophe nicht wiederholte. Zur Besonderheit der Knickpyramide zĂ€hlt nicht nur der klassische Eingang auf der Nordseite, sondern auch ein zweiter hoch oben in der Westfassade. Auch bei dieser Pyramide fĂŒhrt eine nach dem Polarstern ausgerichtete Zugangspassage zu zwei Kammern, die durch ein kompliziertes System von GĂ€ngen und Fallsteinen miteinander verbunden sind. Weiterhin gibt es einen zweiten Gang, der in die obere Kamme an die Westwand der Pyramide fĂŒhrt. Auch hier wurde keine Mumie gefunden, nicht einmal ein Sarkophag war vorhanden. Diese Pyramide besitzt auch einen Taltempel sowie einen Totentempel an der Ostseite.

 Die Rote Pyramide ist die erste wirklich „echte“ Pyramide, wie sie auch von den Nachfahren Snofrus gebaut wurden. Sie wurde mit einem Winkel von 43''36' erbaut, was nur wenig von der spĂ€teren Norm (51°52') abweicht. Ihren Namen hat die Pyramide aufgrund der Farbe der Steinquader erhalten, die im Abendlicht rötlich glĂ€nzen. Die Rote Pyramide wurde von den Ägyptologen bisher wie ein Stiefkind behandelt. Ihr Inneres ist uns jedoch bekannt: Die Zugangspassage fĂŒhrt zu drei hintereinander liegenden Kammern, deren dritte und grĂ¶ĂŸte 9,50 m lang und gerade etwas ĂŒber 4 m breit ist. Einen fast unschĂ€tzbaren Fund stellen die Markierungen auf Steinen an der Ostseite dar. Hier sind Daten angegeben, die Vermutungen ĂŒber den Fortschritt der Arbeit zulassen. Ansonsten darf man gespannt sein, was sich noch alles unter dem WĂŒstensand verbirgt.

 

 

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